Erwin Schulhoff (1894-1942), deutsch-tschechischer Komponist jüdischer Abstammung, der in Prag aufwuchs, gehört zu den verfolgten Komponisten im Dritten Reich, die seit dem neu auflebenden Interesse an diesen Tonsetzern die meiste Beachtung finden. Seine einzige Oper "Flammen" ist hier eingespielt.
Die Handlung, basierend auf dem Don-Juan-Mythos, erfährt hier eine sehr expressionistische Auslegung und wird in einzelnen Bildern anstelle von zusammenhängenden Handlungen wiedergegeben. In die Übergänge zwischen den einzelnen Bildern treten ausgedehnte und für das Orchester höchst anspruchsvolle Zwischenspiele.
Schon der Beginn der Oper sucht seinesgleichen in der Literatur: eine einsame Soloflöte spielt über drei Minuten, ehe das Orchester einsetzt. Um es gleich vorwegzunehmen: dieses spielt unter der Leitung John Mauceris allerdings durchweg überzeugend und dem teilweise extrem dichten Satz Schulhoffs angemessen. Eine ausgewogene Klangbalance zwischen Orchester und Sängern rundet den Gesamteindruck nach oben ab.
Die Gesangspassagen sind zumeist auf das Duo Don Juan - La Morte zugeschnitten, so daß die übrigen Sänger nur recht kurze Passagen bewältigen müssen. Doch auch diese Nebenrollen wurden für diese Produktion exzellent besetzt.
Kurt Westi als Don Juan und Jane Eaglen als La Morte überzeugen gleichermaßen in den höchst anspruchsvollen Partien: stets dem erforderlichen Ausdruck gerecht werdend, ohne jemals zu forcieren.
Dieses Meisterwerk hätte im Grunde längst den Weg ins Standardrepertoire finden müssen. Die Ersteinspielung ist jedenfalls wunderbar gelungen, und die Partitur strotzt nur so vor brillanten und originellen Einfällen.
Fazit: ein echter Geheimtipp für Opern-Liebhaber!