Aus der Amazon.de-Redaktion
Das will schon etwas heißen: nicht nur dass „Flamme und Harfe“ Ruth Nestvolds Debütroman ist, nein, sie hatte das Manuskript ganz unaufgefordert dem Verlag eingeschickt und: die Geschichte wurde umgehend veröffentlicht. Die gebürtige Amerikanerin lebt seit dreißig Jahren in Deutschland, hat viele Kurzgeschichten veröffentlicht, und dann dies: ein opulenter, breit angelegter, Lesenächte füllender Erstlingsroman der sich sehen lassen kann. Kompliment!
Ein Buch, das die Herzen von Fans der Fantasy- Literatur umgehend höher schlagen lässt! „Einst, zu einer Zeit jenseits der Geschichte, in einem Zeitalter fast außerhalb aller Vorstellung, saß ein Mädchen, so schön wie der Mond, auf einem Pferd und betrachtete ein Feuer.“ Gleich von der ersten Seite an nimmt die immerhin stattliche 700 Seiten dauernde Geschichte gefangen. Nicht anders ergeht es dem jungen Drystan: Er sag zu, „wie Yseult davonging, bis sie mit den Schatten auf der anderen Seite des Feuers verschmolz. Jeden Tag würde er mit ihr zusammen sein, sie lächeln sehen.“ Lebhafte Dialoge, märchenhafte Beschreibungen, Langeweile kommt da nirgends auf. Versponnen, irreal, hinreißend ausgedacht, in schillernden Szenarien gemalt, Liebeleien, Verschwörungen, Hass, Intrigen und die große Liebe, eben all jene Themen aus denen faszinierende Geschichten gemacht sind, verwoben zu einem beachtlichen Erstlingsroman.--Barbara Wegmann " -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Kurzbeschreibung
Einst, zu einer Zeit jenseits der Geschichte, saß eine Frau, so schön wie der Mond, auf einem Pferd und betrachtete ein Feuer. Das Feuer ist Teil der Geschichtsschreibung. Die Frau jedoch ist Teil der Legenden … Tristan und Isolde, Tristram und Isot, Essylt und Drust, Yseult und Drystan: Die Namen haben sich im Laufe der Zeit geändert, Liebende aber waren sie immer – und ihr Schicksal wurde nie vergessen. Die meisten Erzählungen über sie beginnen mit dem Mann. Diese beginnt mit der Frau.
Klappentext
"Dana Geissler vermittelt gut die Stimmungen des Romans und lässt den Hörer in die mittelalterliche Welt eintauchen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Tristan und Isolde, Tristram und Isot, Essylt und Drust, Yseult und Drystan: Die Namen haben sich geändert, Liebende aber waren sie immer - das berühmteste Liebespaar, das die Welt jemals gekannt hat. Die meisten Erzählungen über sie beginnen mit dem Mann.
Diese hier beginnt mit der Frau.
Yseult zügelte ihr Pferd und drehte sich im Sattel, um zu dem Felsen von Cashel zurückzublicken, ihrem Zuhause während der ersten sieben Jahre ihres Lebens. Das Feuer, das Palladius für die Taufe ihres Vaters König Aengus entzündet hatte, erhellte den Hügel der Könige mit einem Schein, der mit dem der aufgehenden Sonne wetteiferte.
Hinter sich hörte sie, wie ihre Mutter und der alte Druide Boinda ebenfalls ihre Pferde anhielten, doch sie drehte sich nicht um. Auf keinen Fall durfte sie ihre Mutter die Tränen an ihren Wimpern sehen lassen - diese Tränen waren der Tochter Yseults der Weisen nicht würdig, der Tochter der Königin der Tuatha De Danann, der Königsmacherin der Insel Eriu. Yseult wusste das, doch die Tränen waren trotzdem da.
Ihre Mutter vergoss keine Tränen.
Sie blinzelte hastig und straffte die Schultern. Feine Strähnen ihres langen, hellen Haares lösten sich in der frühmorgendlichen Brise aus ihrem Zopf. Sie hob die Hand, um sie hinters Ohr zu schieben und sich die Wangen abzuwischen, ehe jemand etwas bemerkte. Gewiss würde sie ihre Halbbrüder und ihren Vater wiedersehen.
»Komm, Yseult«, sagte ihre Mutter sanft. »Bis Sidhe ol Femuin sind es mehrere Stunden. Und danach liegt eine lange Reise nach Norden vor uns.«
Yseult schaute weiter zu dem Feuer hinüber. »Warum hat Vater zugelassen, dass Palladius den Stab durch seinen Fuß rammt, wenn das bedeutet, dass wir fortmüssen?«
Es war nicht ihre Mutter, die Königin, die antwortete, sondern der alte Druide Boinda. Yseult wandte sich zu ihm um. Sein Bart war noch weißer als sein Haar, doch seine Hände, die die Zügel hielten, waren stark, und seine Stimme war rein und klar. »Palladius hat ihm versprochen, dass keiner seiner Söhne eines gewaltsamen Todes sterben würde und dass niemand außer seinen eigenen Nachfahren König von Cashel werden wird.«
Es war nicht gerecht. So sollte es nicht geschehen. »Aber es sind doch die Königinnen der Tuatha De Danann, die bestimmen, wer König wird«, beharrte Yseult.
»Dein Vater versucht, das zu ändern«, meinte Boinda.
Ihre Mutter schüttelte den Kopf. »Es ist schon jetzt nicht mehr so. Die Vermählung mit dem Land ist nur noch ein Symbol, mehr nicht. Die Ratsversammlung wählt den Nachfolger des Königs.«
»Und die Macht der Ratsversammlung will Aengus auch an sich reißen«, brummte der Druide.
Yseult wunderte sich, wie ihre Mutter so gelassen bleiben konnte. Vielleicht nannten die Menschen sie deshalb Yseult die Weise, während sie selbst nur Yseult die Schöne war. Eines Tages wollte sie auch Yseult die Weise sein. Wäre es doch nur möglich, weise zu sein, ohne gelassen zu sein. Sie schluckte und blickte abermals zu dem Feuer zurück. »Das heißt also, Vater mag das Königsein lieber als uns.« »Ich glaube, ihm war nicht klar, dass er eine Wahl trifft«, sagte Yseult leise.
»Es hätte ihm klar sein müssen.« In Boindas Stimme lag mehr Bitterkeit als in der ihrer Mutter. »Die Königin der Tuatha De Danann hätte ja wohl schwerlich beim Christenkönig von Eriu bleiben können.«
»Und deswegen müssen wir auch weiter. Komm jetzt, Yseult.«
Soeben war die Sonne über dem Rand der Welt hinter ihnen erschienen, und der Felsen von Cashel hing über dem Horizont, von den ersten Strahlen beleuchtet, während die Erde darunter noch in Nacht gehüllt war.
»Er sieht aus wie eine verzauberte Insel«, stellte Yseult fest.
Boinda nickte. »Tir na nOg. Das Land der Jugend.«
»Meiner Jugend.« Yseult warf ihr Pferd herum, dem Osten und der aufgehenden Sonne zu, und ließ Palladius' Feuer hinter sich zurück.
Von jenseits des Meeres wird er kommen,
den Kopf geschoren,
den Kopf voller Wahn,
sein Kopf in einem Loch in seinem Mantel,
der Kopf seines Stabes gebogen.
Gottloses wird er singen,
von einem Tische vor seinem Hause aus;
all die Seinen werden antworten: »Amen, Amen.«
Muirchu, Leben des Heiligen Patiick
Yseult, die Königin der Tuatha De Danann, Gemahlin des Hochkönigs Löegaire, führte den Reitertrupp den Hügel von Slane hinan, fort von der Straße, die sie nach Tara bringen würde. Es war eine prachtvolle Prozession aus farbenfrohen Umhängen und buntem Schmuck; Bronze und Gold glänzte an Handgelenk, Taille und Hals sowie am Zaumzeug der Pferde, doch die Mienen der Reiter waren düster, und Schweigen herrschte unter ihnen. Selbst die Jüngste, die vierzehnjährige Yseult, war ungewöhnlich ernst.
Die Königin hielt den Blick auf die Hügelkuppe gerichtet und auf den Rauch, der von dort aufstieg. Wieder ein Feuer. Sieben Jahre später, und weit im Norden brannte abermals ein Feuer, wichtiger als jenes, vor dem sie all die Jahre zuvor geflohen war. Und nichts, was sie seither getan hatte, hatte es verhindern können, nicht ihre Vermählung mit Löegaire und ihre Unterstützung für ihn als Hochkönig, nicht ihr Wirken inmitten der größten Filid des Landes und nicht ihr Bemühen, ihr Volk, die Feadh Ree, davon abzuhalten, dem öffentlichen Leben der Gae- len den Rücken zu kehren, als Antwort auf den zunehmenden Mangel an Achtung den Alten Bräuchen gegenüber.
Unwillkürlich fasste sie die Zügel ihres Pferdes fester, und die Stute warf schnaubend den Kopf zurück. Die Königin seufzte und lockerte die Zügel wieder.
Die Reiter der Feadh Ree erreichten die Kuppe und hielten auf den Kreis der Christusgläubigen zu, angezogen von dem Band aus Rauch, das sich in den Himmel emporschlängelte, dunkelgrau vor reinem Blau. Am Rand der Versammlung machten sie halt, die Königin und ihr Bruder Murchad an der Spitze. Ein paar der weiß gekleideten Gestalten sahen sich um, die meisten jedoch blickten wie gebannt auf das Feuer und ihren Meister Patraic.
»Das ist ein Frevel«, brummte Murchad zornig, doch es widerstrebte ihm genauso wie ihr, die friedliche Schar Andächtiger auf der Hügelkuppe anzugreifen.
Nein, sie durfte ihre Angst nicht zeigen, durfte sie jene, die die Gabe des Wissens besaßen, nicht spüren lassen. Sie war Yseult die Weise, und sie musste diese Rolle ausfüllen.
»Aber äußerst wirkungsvoll«, bemerkte sie. Der Rauch musste in Tara deutlich zu sehen sein, und wenn es Nacht wurde, würden die Bewohner des Königssitzes den Schein der Flammen selbst sehen können.
Die berittenen Krieger um sie herum rückten unruhig in ihren Sätteln hin und her; sie wussten, dass ein Feuer, das in der Woche vor Beltane entzündet wurde, nur Unglück bringen konnte.
»Können wir ihn nicht aufhalten?«, wollte Murchads Frau Nemain wissen.
Ja, das war die Frage. Zu oft hatte sie in ihren Träumen Feuer erblickt, in den Träumen vom Ende der Alten Bräuche. »Ich weiß es nicht«, sagte die Königin und beantwortete mehr, als Nemain gefragt hatte.
Patraic hatte ihrem Nahen keine Beachtung geschenkt, jetzt jedoch drehte er sich um und sah sie unverwandt an. »Auf dass es niemand vergesse: Die Lektion, die hier gelernt wurde, ist die Lektion von der Herrschaft Christi.«
Der Wind drehte sich, als gehorche er dem Willen von Pa- traics Gott, und der Rauch wallte auf die Reiter zu und brannte ihnen in den Augen. Die Pferde begannen zu stampfen und zu schnauben; der Geruch des Feuers machte sie unruhig, doch es waren gut geschulte Kriegspferde, und sie scheuten nicht.
Der Mann hinter dem Feuer war viel gefährlicher als Palladius, der letzte Christenweise, den Rom geschickt...