Aus der Amazon.de-Redaktion
Als alle gerade die Hoffnung aufgegeben hatten, daß Sir Paul jemals wieder einen vernünftigen Popsong herausbringen würde, zauberte er eines seiner besten Alben seit Mitte der 70er-Jahre aus dem Hut. Bei der Arbeit an der Beatles Anthologie wurde er an die musikalischen Maßstäbe erinnert, die er längst vergessen hatte, und fühlte sich verpflichtet, ihnen wieder gerecht zu werden.
Sogar Jeff Lynne, der viel zu dieser Platte beigetragen hat, hielt sich größtenteils im Hintergrund und ließ Paul das tun, was das Beste war: Er sang und spielte fast alles selber, mit ein wenig Unterstützung durch Ringo und den Gitarristen Steve Miller.
Auch wenn die Songs die schwindelnden Höhen der besten Jahre nicht erreichen, so erinnern sie uns doch an das wahre Talent, das McCartney hat. Ein Ohrenschmaus. --Chris Nickson
Sogar Jeff Lynne, der viel zu dieser Platte beigetragen hat, hielt sich größtenteils im Hintergrund und ließ Paul das tun, was das Beste war: Er sang und spielte fast alles selber, mit ein wenig Unterstützung durch Ringo und den Gitarristen Steve Miller.
Auch wenn die Songs die schwindelnden Höhen der besten Jahre nicht erreichen, so erinnern sie uns doch an das wahre Talent, das McCartney hat. Ein Ohrenschmaus. --Chris Nickson
Audio
Blick zurück in die Zukunft: Die Arbeit an der "Anthology"-Serie habe ihn zu neuen Songs angeregt und ihm die Qualitäten der Beatles-Songs ins Bewußtsein gerufen, gesteht Paul McCartney - "ein guter Auffrischungskurs für mich, der mir eine Art Rahmen für dieses Album gab". Paules Nostalgietrip ist "Flaming Pie" prächtig bekommen. Zwar leidet die erste Single "Young Boy" ein wenig am "Macca-Syndrom" relativ schlichter Pop-Banalität. Lästermäulern, die erfahren, daß der Ex-Beratle besagten Titel geschrieben hat, während Gattin Linda für einen Journalisten der "New York Times" kochte, ist's sicher Wasser auf die Mühlen: "Das hört man." Wetten, daß man's beim ebenso flott entstandenen "Some Days" nicht hört? Fast durchgängig spielte McCartney auf der neuen CD das Meiste selbst - Baß, Gitarre, Piano, Drums; hier bat er auch noch Produzenten-Grandseigneur George Martin um ein (wahrhaft grandioses!) Arrangement, das sich vom akustischen Intro über Sitarverwandte Sounds zum orchestralen Finale steigert. Nicht nur das erinnert an ... na, an wen wohl? Beim akustischen Gitarren- Song "Calico Skies" gibrt "Macca" selbst zu, daß er ein Stück in der Tradition von "Blackbird" schreiben wollte, was ihm respektabel gelang. Auch sonst sind die Referenzen an die Beatles nicht zu überhören, ohne daß der frisch geadelte Sir zum Plagiator wird: So untermalt das rockige Titelstück ein lebendiges Honky-Tonk-Piano, wie man's von dem Mann seit der seligen "Lady Madonna" nicht mehr zu hören bekam. Neben George Martin und Jeff Lynne als gelegentlichen Co-Produzenten bat McCartney für zwei Stücke auch Ringo Starr ins Studio: Das vom schlichten Piano-Start zu voller Orchestrierung anschwellende "Beautiful Night" erinnert denn auch am stärksten an die Beatles der "Sgt. Pepper"-Ära. Hingegen überrascht das zweite Teamwork, "Really Love You" mit kernigem Rhythm & Blues-Feeling für das Paul seine Stimmbänder heftig stapaziert. So agil hat man ihn seit ewigen Zeiten nicht mehr erlebt! Der Überraschungen sind noch mehr: So überläßt der stolze Daddy in "Heaven On A Sunday" seinem 20jährigen Sohn James die Lead-Gitarre - mit mehr als passablem Resultat. Überhaupt gibt der so gern als Pop-Softie Verschriebene bei "Flaming Pie" den Gitarren heftig Zunder, was dank Steve Millers Saitenkünsten den bluesigen R & B "Used To Be Bad" und den kraftvollen Riff-Rocker "If You Wanna" zum staunenwerten Erlebnis macht. Keine Frage: Paul McCartney besinnt sich in den 14 Songs auf seine Wurzeln und leistet dennoch nicht purer Nostalgie Vorschub. Dieses Pop-Rock-Opus schillert so facettenreich, wie's "Macca" kaum noch zuzutrauen war!
© Audio
Stereoplay
Lust auf Musik bekam Paul McCartney während der Arbeit an den Beatles-"Anthologies" im vergangenen Jahr, und so gibt es vier Jahre nach "Off the Ground" wieder ein neues Album. Mit überaus voluminösen akustischen Gitarrenklängen eröffnet "The Songs We Were Singing" den Reigen: ein wehmütiger, einfach gestrickter Ohrwurm mit hübschem Refrain. Der gäbe zwar auch für die Fischer-Chöre einen prima Kanon ab - aber da hält es McCartney eben mit John Lennon und dessen Bekenntnis: "I always liked simple music". So lautet auch das Motto im weiteren Verlauf von "Flaming Pie": Ob nostalgische Midtempo-Songs zwischen Sixties-Rock'n'Roll und Rhythm & Blues (am stärksten: "If You Wanna" mit Steve Miller an der Gitarre, und "The World Tonight") oder üppige Balladen, fast alle Songs wirken unspektakulär-symphatisch, wie gute alte Bekannte: So komponiert ein Mann, der mit sich im Reinen ist. Besonders "Beautiful Nights" (mit Ringo Starr als Gast) und "Somedays" verbreiten friedvoll-positives Flair - für Paul Hauptmotiv von "Flaming Pie". Natürlich erinnert da vieles an die Beatles, aber Maccas Songwriting ist mittlerweile derart prägnant, daß er vermutlich auch eine TipHop-Platte aufnehmen könnte, und sie klänge nach den Fab Four. Auch zwei, drei mäßige Rock-Versuche ("Really Love You", "Souvenir") können da den positiven Gesamteindruck nicht mehr trüben. ** M: 6-9
© Stereoplay