als gitarrist habe ich bei spanien-besuchen mich immer darüber gefreut, wie ernst dort die gitarre genommen wird - fast noch mehr als in nashville oder in einigen fahrenden zigeuner-sippen oder elektro-rock-WG's. der kult-charakter, den in andalusien die gitarre erreicht, ist jedoch dort verbunden mit einem lebensstil der stolz und trauer, gebündelte energie und verzweifelte zerrissenheit gleichzeitig ausdrücken will. "man singt in den dramatischsten augenblicken und nie, um sich zu unterhalten, sondern um zu fliegen, zu entrinnen, zu leiden und um dem alltäglichen atmosphäre zu geben..." - schrieb federico garcia lorca. diese atmosphäre hat mit sehr überlegter auswahl der zur verfügung stehenden bildmengen (streng schwarz-weiß) das fotografen-ehepaar deininger / jaugstetter perfekt nahegebracht: bilder aus tanzschulen und von festival-bühnen, von der stillen arbeit der gitarren-bauer, von den verschworenen gemeinschaften in den kleinen bars, von gesichts-ausdrücken - und von der körper-sprache der hände, der beine, der taillen. allein die frisuren der verschiedenen interpreten zu vergleichen, bereitet einen nachmittag lang freude - abgesehen von den anderen typischen, visuellen winken: den alten gemäuern in granada oder sevilla - selbst die optischen ausflüge zu den handlungen des wein-prüfers oder "schinken-hauch-dünn-schneider"s übermitteln, verbunden mit kleineren essays und lyrik-zitaten, was gemeint sein könnte mit einer "ARS VIVENDI": einem unverwechselbaren lebens-gefühl - von dem zu hoffen wäre, dass immer mehr menschen wenigstens einen hauch davon in sich aufnehmen könnten ...