Bücher aus der Feder manisch-depressiv erkrankter Menschen gibt es inzwischen viele. Mit dem Werk von Anne Schätzko erfahren wir aber aus der Feder einer Intellektuellen, wie sehr diese Krankheit ihr ganzes Lebenskonzept zerstört hat. Als promovierte Chemikerin hoffte sie auf eine erfolgreiche Berufslaufbahn. Die äusseren Voraussetzungen waren gegeben. Doch eine innere, nicht zu bändigende Kraft lenkte das Leben der Autorin in eine Richtung, die sie nicht wollte. Es ist diese Mischung von lustvollen Extremen der ausufernden Manie, denen schmerzhafte Phasen der Depression folgen. Beide sind vom Kopf her weder zu verstehen noch zu kontrollieren.
Anne Schätzko gelingt es in eindrücklicher Weise, dieses Wechselbad der Gefühle darzustellen. Sie betont dabei die Phasen der Manie und wendet sich nur bruchstückhaft den dunklen Zeiträumen der Gegenphasen zu. Zu Recht, wie ich meine, da von den Phasen der Depression nur wenig in der Erinnerung zurückbleibt. In eindrucksvoller Realität beschreibt sie ihren Gemütszustand, schonungslos und in grosser Offenheit. Sie zeigt auf, wie Menschen mit einer bipolaren Störung in ihrer nächsten Umgebung auf wenig Verständnis stossen. Sie schreit ihre Not nicht nur in Worten aus, sondern auch durch unzählige Suizidversuche. Einer davon wird ihr zum grausamen Verhängnis. Durch eine Überdosis von Medikamenten werden ihre motorischen Fähigkeiten schwer eingeschränkt. Sie wird dadurch an den Rollstuhl gefesselt, später an einen Gehwagen und dies wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens. Auch eine schwere Sprachstörung stellte sich ein.
Das Werk gibt einen guten Einblick in die Gefühlswelt eines manisch-depressiven Menschen. Wer selbst von dieser Krankheit betroffen ist, findet im Spiegel der Schilderungen Trost für sein eigenes Verhalten. Es gibt kaum eine Verrücktheit, die in einer manischen Phase nicht zu verwirklichen wäre. Anne Schätzko versteht es das Erlebte ohne Selbstmitleid zu schildern. Sie läuft auch nicht Gefahr, die Extreme der Manie als Höhepunkte ihres Lebens dazustellen. Sie beleuchtet nüchtern den erlebten Gemütszustand und schildert, dass die Stimmungswechsel von Manie und Depression oft voneinander abhängig sind. Extrem manischen Phasen folgen oft lange und tiefe Depressionen und auch umgekehrt, als wollte die Psyche den vorausgegangenen Gemütszustand gewaltsam kompensieren.
Es ist zu hoffen, dass das Buch auch bei Angehörigen Verständnis bewirken kann, für ein Leiden, das nur schwer erklärbar ist und das Umfeld der Betroffenen schweren Belastungen aussetzt. Die Lektüre ist jedem zu empfehlen, der sich mit dieses Thema aus der Sicht eines Manisch-Depressiven auseinandersetzen will.