Eine "Orchideenarbeit". Dieser Begriff des Autoren aus dem Vorwort seines Buches ist mir als erstes haften geblieben. Eine Archivmitarbeiterin soll dies zu ihm gesagt haben, nachdem er nach speziellen Archivunterlagen nachgefragt hat.
Und tatsächlich, und dies meine ich sehr positiv, merkt man die Liebe des Verfassers zu seinem Werk an. Ein ansonsten nur unter Flaggenkundlern diskutiertes Thema wird jetzt erstmals ausführlich und auf Quellenmaterial statt wie üblich nur durch Sekundärliteratur gestützt der Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Über die "Schutzgebiete" als solches wird hier nicht berichtet. Das ist auch nicht Aufgabe des kurzweiligen Bandes, darüber haben andere Autoren umfangreiches Material verarbeitet.
Sich rein auf die Flaggen und Wappen zu konzentrieren, die in Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Togo, Kiautschou und den Gebieten in der Südsee verwendet wurden oder geplant waren, hier erhalten LeserInnen alle nötigen Informationen, gestützt auf zahlreiche farbige Abbildungen und bisher nie gezeigten Fotos. Für Kiautschou sei hinzugefügt, das der Autor auf seiner Homepage noch weitere Informationen zu dem abgebildeten "Wappen" eingefügt hat, die er vermutlich erst nach Redaktionsschluss in Erfahrung bringen konnte.
Nachdrucke der Gesetze und Verordnungen runden dieses Buch ab.
Kritisch anzumerken bleibt, da schließe ich mich meinem Vor-Rezensenten an, die selbst gezeichneten Flaggenabbildungen, bspw. die Flaggen der Reedereien und Kolonialgesellschaften, die leider etwas plump und - unpassend zur geleisteten Arbeit Karaschewskis - lieblos wirken.
Dennoch: die enthaltenen Informationen, das Bildmaterial und der wirklich günstige Preis lassen m. E. 5 Sterne zu. Das Werk empfiehlt sich nicht nur für den kleinen Kreis der Vexillologen, sondern ist auch für alle, die sich für Deutschlands koloniale Vergangenheit interessieren, eine lohnende Ausgabe.