Ich habe mir wirklich schwer dabei getan, eine passende Sterne-Wertung zu "Flüsterndes Gold" zu finden. Ich hätte ihm ja vier oder gar fünf Sterne gegeben, denn es hat mich wirklich wunderbar unterhalten und köstlich amüsiert - allerdings geschah das unfreiwillig.
Das Buch war eine solche Katastrophe, dass es schon wieder schön war. Ich fand es sehr, sehr erheiternd, wie furchtbar ernst sich alles und jeder (Die Autorin ganz offensichtlich mit inbegriffen) vorkam, während sie doch lauter komisches, unerklärliches und bisweilen dummes Zeug taten.
Fangen wir aber wie immer mit den positiven Dingen an: Die Sprache, obwohl für einen Vielleser wie mich langweilig und übermäßig jugendlich, ist anspruchslos und leicht zu lesen, ich hatte das Buch rasch durch. Das Cover ist ganz hübsch, nicht zuletzt, weil es das so typische florale Motiv und das nicht weniger typische namenlose Mädchen der derzeit gängigen Cover Paranormaler Romanzen zugleich geschickt vereint und vermeidet. Auch fand ich es sehr nett, dass Zara im Gegensatz zu den meisten "Heldinnen" solcher Bücher keine undankbare Zicke ist, die sich schmollend in eine Ecke setzt, sobald ihr irgendwas nicht passt, und die, kaum, dass sie den "Helden" trifft, völlig vergisst, dass sie ja mal so etwas wie ein Leben und Freunde hatte. Sie heult zwar und es wird ständig erwähnt, wie schlimm es ihr geht, aber wenigstens kann sie als Begründung angeben, dass ihr Stiefvater tot ist und ihre Mutter sich nicht mehr um sie kümmern kann.
Allerdings ist sie leider auch naiv, und obwohl ihre rasch eingeführte Vorliebe für Phobien aller Art, nach denen auch die einzelnen Kapitel benannt sind, interessant und ungewöhnlich wirkt, gerät sie doch rasch in den Hintergrund. Außerdem brachte auch Zaras aufopfernde Märtyrer-Ader mich mehrmals zum Kichern. Ich habe nichts gegen Aktivisten jeglicher Art, aber wie unglaublich wichtig sie sich selbst nahm, wenn sie von Amnesty International redete und Bittgesuche für Kriegsgefangene schrieb und all das Zeug, war einfach ulkig. Besonders schön fand ich auch, wenn Zara in der Erzählerstimme erklärte: "Und ich weiß, dass das ein totales Klischee ist, aber [Hier Klischee einfügen]" Dabei lachte ich weniger über sie als über die Autorin. Frau Jones, zu wissen und die Protagonistin wahrnehmen zu lassen, dass was auch immer ein Klischee ist, ändert nicht die Tatsache, dass es ein Klischee ist! Sie haben doch schon mehr Bücher geschrieben, wieso machen sie solche doofen Anfängerfehler?
Den Anfang des Buchs habe ich schon mal gesehen... oder dreimal... fünfmal... ständig. Zara zieht von ihrer Mutter weg in eine viel kältere kleine Stadt und ihre Oma, die sich ab jetzt um sie kümmert, schenkt ihr einen Wagen. Wie in Twilight. Exakt. Wie. In. Twilight. Das habe ich mittlerweile so oft gesehen, dass es mich gar nicht mehr aufregt. Mich amüsiert eher die Einfallslosigkeit der Autoren in dem Genre, durch die sich solche seltsamen und unerklärlichen Tropen etablieren. Hmm. Vielleicht sollten die Verlage so etwas nicht veröffentlichen, sondern in ein großes Twilight-Fanfiction-Archiv stecken.
Aber nun ja, so sei es.
Zara trifft also Nick und Ian in der Schule, und dem aufmerksamen Leser ist sofort klar, dass es sich hierbei um die beiden Katheten im Liebesdreieck handelt, ohne das ebenfalls keine Paranormale Romanze der Welt auszukommen scheint. Es muss so sein, denn beide sehen gut aus. Die beiden feinden sich an und warnen Zara jeweils voreinander, und ich habe schon wieder ein mächtiges Twilight-Flashback. Dennoch sind mir die beiden vom ersten Moment lang piepegal, sie zeigen keine Art von Persönlichkeit, die über die einer Packung Waschpulver hinaus geht, und ich kann sie nur auseinander halten, weil Nick einen Mini-Cooper fährt.
Auch die örtliche Alpha-Bitch der Schule wird gleich eingeführt, Megan, die Zara sofort mobbt weil, uhm, äh, weil sie existiert, denke ich. Es scheint einfach verdammt hart zu sein, die Protagonistin einer Paranormalen Romanze auf freundschaftlicher Ebene mit anderen Mädchen kommunizieren oder sie sich schlichtweg nicht über die Aufmerksamkeit von Männern hinweg die Schädel einschlagen zu lassen. Ich weiß auch nicht.
Auch der Böse in der Geschichte ist keineswegs bedrohlich, ganz im Gegenteil. Bei seiner ersten Begegnung mit Zara hinterlässt er überall Glitzerstaub. Ist das nicht niedlich? Es ist, als hätte Edward Cullen sich gehäutet und seine Haut getrocknet und zermahlen! Das zweite Mal zeigt er sich als mysteriöse Gestalt, die auf Zara zeigt. Also richtig, zeigen. Mit dem Finger! Ich war beeindruckt.
Was jetzt folgt, ist allerdings der Deppenhammer. Zara hat zweimal diese mysteriöse Figur gesehen, die ihr offenbar nachspioniert, weil, wie wir alle seit Twilight wissen, Stalking extrem romantisch ist. Sie teilt das ihren neuen Freunden mit, die so unwichtig und nichtssagend waren, dass ich mich nicht mehr an ihre Namen erinnere, nur noch daran, dass einer von beidem im Rollstuhl saß. (Man sieht deutlich, welch tiefschürfenden Eindruck diese wahnsinnig gut ausgearbeiteten Charaktere bei mir hinterlassen haben.) Die beiden helfen ihr also, weil sie einfach eine so verdammt gute Seele ist, und kommen dazu, dass es nur einen einzigen logischen Schluss aus den seltsamen Vorkommnissen gibt:
Dass Zara von einem Pixie verfolgt wird.
Japp. Das war das Ergebnis ihrer Bemühungen. Klingt das nicht... einfach umwerfend logisch? Ich fand das nach einem Moment des ungläubigen Starrens auf die Buchseite so toll, dass ich laut gelacht habe. Und es geht noch weiter mit Erklärungen dieser Art. Nach Gesprächen mit ihrer Großmutter, die alles über die Pixies weiß, kommt Zara zu Erkenntnissen wie der, dass Pixies entweder Sex mit einer Frau haben oder einem Jungen das Blut aussaugen müssen.Oder der, dass sie immer animalischer werden und sich schließlich gegenseitig töten, wenn sie keins von beidem kriegen. Wieso das so ist? Hm, oh, weil Keks, denke ich. Es wird jedenfalls nicht erklärt. Die Autorin sagt es so, und wir als Leser haben es jetzt bitteschön zu glauben. So leicht ist das.
Ich will nicht zu viel über wen allgemeinen und insbesondere den weiteren Verlauf des Romans verraten, aber es kommt noch eine weitere übernatürliche Spezies vor: Gestaltwandler. Und damit nicht nur Werwölfe, sondern auch Wertiger, Werbären und mehr. Ich finde ja, man sollte Frau Jones einen preis irgendeiner Art zukommen lassen, dass sie es geschafft hat, Wertiger und Werbären langweilig zu machen. Man muss zugeben: Das schafft nicht jeder. Es scheint ein besonderes Talent dieser Autorin zu sein.
Allerdings bedeutet es auch, dass es von mir für dieses Buch definitiv auch keine drei Sterne gibt.
Wer nach Twilight neues, ähnliches Lesefutter sucht, ist hiermit bestens bedient, allen anderen kann ich nur davon abraten, es sei denn, sie haben den Nerv, wie ich einfach weiterzulesen, weil die schiere Blödheit sie so sehr amüsiert.