Ich habe den Film erst vor wenigen Minuten gesehen und deshalb hoffe ich, dass diese Rezension meine Meinung möglichst unverfälscht wiedergeben kann. Ohne groß auf Details einzugehen: Es handelt sich bei diesem Ghibli-Film um ein Alltagsdrama, das das Leben des Protagonisten, seinem besten Freund und einem Mädchen über zwei High-School-Jahre und darüber hinaus erzählt.
Wer einen Ghibli-Film im Stil der phantastischen Filme wie "Nausicaä", "Prinzessin Mononoke", "Chihiros Reise", das "Das Wandelnde Schloss" oder "Mein Nachbar Totoro" erwartet, wird mit diesem Film nichts Derartiges bekommen. Er ähnelt in mancherlei Hinsicht eher "Die Stimme des Herzen" und besonders "Tränen der Erinnerungen", die auch etwas alltäglicher waren, ist aber dennoch ganz anders.
Hauptstrangzieher von "Flüstern des Meeres" ist Tomomi Mochizuki - also weder Hayao Miyazaki noch Isao Takahata, die für die Mehrheit der Ghibli-Filme verantwortlich sind.
Wer ein klassisches Alltagsdrama erwartet, liegt etwas daneben. Zwar ist die Geschichte relativ alltäglich und ebenso sind die Protagonisten alltäglichen Situationen ausgesetzt, aber die Geschichte ist durchaus nicht kitschig oder schmalzig. Den üblichen Ghibli-Charme merkt man auch diesem Werk an, wenn auch in anderer Weise. Für mich persönlich ist die passende Atmosphäre schon gleich zu Anfang aufgekommen und sie hat bis zum Ende angehalten. Der Film hat keinerlei Durststrecken und bewegt sich konstant handlungstechnisch in einer angenehmen Geschwindigkeit. Es gab zwar keine Szenen, von denen ich sagen würde, sie hätten mich wirklich zutiefst beeindruckt, aber dies will "Flüstern des Meeres" auch gar nicht erreichen. Der Film will eine alltägliche Geschichte mit Schwerpunktsetzung auf den Gefühlen von drei Hauptfiguren auf schöne Weise nahebringen und dies gelingt ihm auch. Die Geschichte ist kurzweilig, spontan und nicht leicht vorherzusehen, verzichtet auf übertriebene Klischees oder stellt sie auf eine unaufdringliche Weise dar und weiß von Vorne bis Hinten zu gefallen.
Durch oft schöne Musik wird das Geschehen untermalt und der Zeichenstil weiß zu gefallen, auch wenn er etwas weniger detailliert ist als man es von größeren Ghibli-Produktionen gewohnt ist. Die Synchronisierung ist ebenfalls gut gelungen und natürlich kommt auch ein bisschen japanisches Flair auf.
Mir persönlich hat "Flüstern des Meeres" sehr gut gefallen. Ich habe nicht jederzeit mit allen Protagonisten sympathisiert, aber gerade das hat sie so menschlich und real gemacht. Letztendlich mochte ich aber alle drei. Bisher haben mir alle Ghibli-Filme gefallen und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Mit "Flüstern des Meeres" hat Tomomi Mochizuki ein atmosphärisches Werk geschaffen, das eine einfache Geschichte auf schöne Weise in einer Mischung aus Alltagserzählung, Drama und unklassischer Romanze erzählt. Wer sich mit diesen Beschreibungen anfreunden kann, dem empfehle ich den Film bedenkenlos.
Da ich dem Film zwischen vier und fünf Sternen geben würde und er in meinen Augen bisher etwas zu schlecht bewertet wurde, bekommt er fünf Sterne.
Hinweis: Ich bin mir sicher, dass ich als Kind wenig damit hätte anfangen können. Als 18-Jähriger weiß mich die Thematik aber durchaus anzusprechen und auch ältere Menschen werden sich damit identifizieren können, sofern sie sich nicht davor zurückschrecken, ein wenig in die Vergangenheit zu blicken. Es handelt sich um kein phantastisches Werk, sondern um etwas Bodenständiges.