"Wenn Du auch noch ein Wort sagst, mach ich dich alle! Ich steck dir den P*mmel in dein Dr*cksloch und reiss dich auseinander! Ich bring euch alle um!..Ich kniete, er stellt sich vor mich, den Hosenstall geöffnet und sein Geschlecht entblösst. Dann zwang er mich, ihn oral zu befriedigen, schlug mir dabei auf den Kopf, stöhnte, schlug mich wieder, zerrte an meinen Haaren. Als mein Schluchzen ihn in seiner Lust störte, schubste er mich weg, so dass ich mit den Rippen gegen die Grabumrandung schlug. Er rieb sich bis zum Org*smus und spritzte seine Jauche auf das Grab seiner Tochter.."
Heftig, schockierend, erschütternd, ordinär, primitiv, atemlos, bedrückend, verachtend, pervers, gewaltätig, weit über normale Grenzen hinaus grenzüberschreitend, verroht, paranoid, erniedrigend, psycho-horror-mässig, lebensverachtend, traumatisch, schockmässig, kaputt, brutal, zerstörend, erzählt dieses Buch, von einem Missbrauch eines jungen Mädchens, beginnend im Alter von 5 Jahren bis hoch zu 18 Jahren, die Autorin, heute 45-jährig, die unter einem Pseudonym ihre Geschichte aufgeschrieben hat, in einer erschütternden Art und Weise, wo dem Leser mehr zugemutet wird, als man sich vorstellen kann...
Es ist eine Anklage in Monologform, ein Hinterfragen, eine Hassschrift, ein Missbrauchserfahrungsbericht. Eine Abrechnung mit der eigenen Mutter, die nie wirklich hinter ihrer Tochter stand, im Gegenteil, den vollzogenen Missbrauch indirekt unterstützte in einem Ausmass, dass es schon an das Krankhafte erinnert.
Ein Buch in äusserst aggressiver und provozierender, schneller, heftiger, primitiver (Drecks-) Sprache gehalten ist und gewöhnungsbefürftig ist, Wörter wie..."Dr*ckskerl, Dr*cksschleuder, Dr*cksgöre, M*stgöre, Dr*cksack, Sch*isser, Kotzp*mmel, Dr*cksding, Sch*issleben, Dr*cksp*mmel, verh*rtes Mistst*ck, Dr*cksn*tte, Dr*cksarbeit, Drecks*u, Dr*cksschlampe" werden uns nur noch so um die Ohren gehauen. Der Leser wird mit dem tiefstem Niveau konfrontiert, was im menschlichen Umgang in einer Familie mit mehreren Kindern vorstellbar ist.
Wir werden mitgenommen in ein verstörtes Familienklima, das vom Stiefvater Wolf Pagel dominiert wird. Ab dem Alter von 5 Jahren hoch bis zur Volljährigkeit von Mona, werden wir in die krankhafte und perverse Paranoia eines Pädophilen mitgenommen, eine psychische Höllenfahrt, wo der Leser bis auf's Äusserste mit allem Gemeinen, Brutalen, und Verachtendem bis ins Detail konfrontiert wird, einem Ausmass, dass es wehtut und man schockiert als Leser zurückbleibt. Wir können uns in dieses Mädchen einfühlen, wo der Drang zur Konfrontation seine Entladung sucht, "Ich will Dich, so schmerzhaft wie möglich, an alles erinnern, was Du gesagt und getan oder eben nicht getan hast..ich habe versucht, das alles zu verstehen. Lange habe ich das getan. Jetzt nicht mehr. Ich bin kein Monster! Ich bin kein Stück Sche*sse! Ich bin dein Kind!..Es war der Moment, in dem ich aufhörte, Dich zu lieben und als meine Mutter zu betrachten."
Unter der Gewalt menschenverachtenden Umgangs, verliert das Mädchen seinen Selbstwert.."Ich bin es wert zu leben, tausendmal mehr als Du..". Ein kaputter Stiefvater, der keine Arbeit hat, Alkoholiker ist, suizidal ist, seine Kinder ohne jedes Mitgefühl oder Skrupel für seine kranken Bedürfnisse missbraucht, seine Frau Irma, die hier meisst als Mutter angesprochen wird, deckt ihren Mann, misstraut ihren Kindern, vor allem Mona, die hier ihre bedrückende, und auf's äusserste leidhafte Geschichte dem Leser unverblümt und unzensiert zumutet bis zur Schmerzgrenze.
Ein Buch in einer Zeit geschrieben, wo dieses traurige Thema aktueller nicht sein könnte. Wir leben heute in einer Zeit, wo das Thema Missbrauch neue Dimensionen erfährt, seine Wahrheit sucht, nach Handlung, nach Gesetz, nach Gerechtigkeit, nach Konsequenzen schreit, nicht zuletzt in der Kirche ausbrechend, wie wir es in den letzten Wochen und Monaten erlebt haben. Eine Bilanz und eine Zeiterscheinung die zwar nicht neu ist, aber heute etwas einfordert, was so längst nicht mehr tragbar ist. Das Buch von Mona Michaelsen ist nichts für feinfühlige und zart sensible Menschen. Und doch spricht es von einer Wahrheit, die erlebt wurde und hier ausgedrückt wird, was eine beachtliche Missbrauchsverarbeitung darstellt. Und doch liesst man es wirklich nicht gerne, weil es einen an eigene Verletzungen, Grenzüberschreitungen, oder Handlungen erinnert, wo der eigenen Selbstwert entweder gelitten oder verloren gegangen ist, ein Grund, was dieses Buch auch kostbar macht, trotz aller Primitivität und Aggressivität.
Ein Buch das in Anklage und Verletzung und Rückzug stecken bleibt, das aus heutiger erwachsener Sicht, keinen Kontakt zur Mutter herstellt, (in einem Interview erzählt die Autorin, seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter mehr zu haben), um irgend eine Form, von Versöhnung oder Vergebungsarbeit anzubieten oder für sich selbst zu tun, was mich hier ganz besonders interessiert hätte. Dass dies aufs Äusserste eine anspruchsvolle Arbeit darstellt ist mir durchaus bewusst, Mona Michaelsen, hat heute keinerlei Kontakt mehr zu ihrer Mutter geschweige denn, zu jenem Psychopaten. Nicht leicht verdaulich, auch nicht schön zu lesen.. soll es auch nicht sein, aber aufweckend, ungemütlich und aufrüttelnd, in seiner ganzen Komplexität, wo man die Authentizität dieser Autorin förmlich spürt, was dieses Buch einzigartig und echt macht, auch wenn es beim Lesen im wahrsten Sinn des Wortes wehtut....