"Five Live Yardbirds" ist das erste wirklich wesentliche Livealbum aus den frühen 60ern. Es ist auch ein Dokument wie es 1964 im Londoner Marquee Club atmosphärisch zuging, wenn die Yardbirds einen ihrer berühmten "Rave-Ups" vom Stapel ließen. Gewiss, es ist rau, ungestüm und wild, von Hifi-Qualität war man damals noch weit entfernt - dem Vernehmen nach wurde für die Aufnahme nur ein einziges Mikrofon verwendet(?)-, aber das Feeling ist einmalig. Schon die Ankündigung der Band vermittelt Clubatmosphäre und Gänsehautfeeling pur. Und dann legen sie los - Eric Clapton startet mit dem Intro von "Too Much Monkey Business" und die Band steigt ein, aber wie. Man wird da schier überrollt. Es wurde immer wieder mal behauptet, dass Claptons Virtuosität überdecke, dass der Rest der Band nichts drauf hätte, hier ist der klare Gegenbeweis. Man höre nur auf die Bassläufe von Paul Samwell-Smith oder das Harmonikaspiel von Keith Relf.
Großartig sind ihre Interpretationen von Howlin' Wolfs "Smokestack Lightin'" und Eddie Boyds "Five Long Years", der einzigen Nummer in gemäßigtem Tempo, aber dafür voll der Blues! Für sein akustisches Bluesalbum "In the Cradle" von 1994 griff Clapton auf diesen Titel zurück. Toll auch "Respectable" von den Isley Brothers, wo sie gegen Ende auf "Humpty Dumpty" umschwenken. Der wahre "Rave-Up" ist aber die Schlussnummer "Here 'Tis". Es gibt keinen Leerlauf, die Band spielt stets mit Volldampf, äußerst kompakt und die Atmosphäre kocht!
Die von Repertoire aufgelegte CD-Ausgabe kommt im Digipack mit informativen Booklet und entspricht klanglich der originalen LP von 1964, gemessen an den damaligen technischen Möglichkeiten erstaunlich klar und sauber. Die Aufstockung mit sechs Live- bzw. semi-Live-Titeln aus demselben Zeitraum, darunter eine tolle Version von "I Wish You Would", ist höchst willkommen. Nur die letzten beiden Bonustracks - "I'm a Man" und "Shapes of Things" -, obgleich äußerst rar, passen sowohl zeitlich (aus 1967) als auch stilistisch nicht dazu.