Namentlich bekannt war mir Nick Drake schon lange, aber erst heute ist es soweit. Ich höre die Musik. Und glaube es nicht. Zu gut wahrscheinlich für kommerziellen Erfolg, zu weit sicherlich auch seiner Zeit voraus war dieses Album, 1969 erschienen. Gut, dass ich vierzig Jahre warten musste, denn damals, mit 14, hätte ich wohl nichts kapiert.
Ist das Musik von dieser Erde? Immer einfach, sanft und schön. Mal einfach die Gitarre. Mal etwas Klavier, dann ein Cello, schwermütig wie Nicks Stimme. Sporadisch ein wenig Kammerorchester. Jazzig angehauchte Klänge, sanfte Percussion ("Three Hours") und eine ungeheure Energie. Zu allem eine Stimme, traurig, leicht rau, bekannt kommt sie mir vor, sofort vertraut, er singt für mich. Da sitze ich, höre, fassungslos. Wohlgemerkt, nichts mit Kitsch oder Schmalz! Es geht direkt unter die Haut. Sicher ist es das 2500. Album oder so, das ich kennenlerne; aber nur ganz ganz wenige zogen mich so schnell derart in ihren Bann. Es ist schon beim dritten Stück klar, dass es kaum etwas Besseres geben kann. Doch, es ist möglich: einfach weiterhören. Denn die Platte wird von Stück zu Stück besser und ist dann viel zu schnell zu Ende.
Die Intensität und Problematik des kurzen Lebens Nick Drakes klingt aus der Musik - was mir hier an Soul und Jazz in den Bauch kriecht, ist die Essenz eines weisen Mannes. Das hat kaum ein anderer Singer/Songwriter je geschafft (vielleicht Joni Mitchell, David Ackles, Bert Jansch). Die Melodien sind einfach und doch komplex, harmonisch betörend schön. Vielseitiger dazu als so mancher berühmter Meilenstein: Nick Drake als Folkmusiker zu bezeichnen, greift bei weitem zu kurz. Aber weg mit den Kopfargumenten. Was ich höre, ist für Bauch und Herz, ein elementarer, tief emotionaler Genuss. Wahrscheinlich ist es eine Platte für meine Top 3.