Der junge virtuose holländische Pianist Martijs (Ryan Phillippe) reist nach Marokko, um dort die Einführung seines Ernährungsprogramms in die Wege zu leiten. Dort angekommen werden er und sein Reisebegleiter (Colm Meaney) gleich nach der Ankunft verschleppt. Kurz nach Abnahme der Augenbinden ermorden die Kidnapper Martijs Begleiter vor dessen Augen. Und dann fordert man Martijs auf zu reden und alles zuzugeben. Nur hat Martijs nicht die geringste Ahnung, was die Entführer überhaupt von ihm wollen. Haben sie tatsächlich den Richtigen entführt? Und so beginnt ein fieses Katz- und Mausspiel um Wahrheit, Lüge und Informationen. Dabei schrecken die Entführer, allen voran Ahmat (Laurence Fishburne), auch vor Folter nicht zurück'...
Zunächst einmal ist das Cover wirklich schlecht gewählt, da es den Eindruck erweckt, man bekommt einen billigen Abschlachtfilm mit Gewaltszenen als Selbstzweck zu sehen. Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: Immer dann, wenn eine der wenigen Folterszene zu sehen ist, wird entweder auf das Gesicht des Opfers oder des Täters geschnitten. Dadurch ist der Film auch für Zuschauer mit seichterem Gemüt noch geeignet.
Auch lebt der Film nicht von der Gewalt, sondern viel mehr von den Dialogen zwischen den Hauptdarstellern, der dadurch entstehenden Atmosphäre und den Fragen die sich dem Zuschauer immer wieder stellen: Was wollen die eigentlich von Martijs? Haben die wirklich den Richtigen entführt oder wollen die vielleicht einfach nur von einem Ausländer ein Geständnis erpressen, um es dann ihren Vorgesetzten als Pseudo-Erfolg vorzulegen? Oder ist Martijs etwa doch nicht so unschuldig, wie er wirkt?
In der aktuellen Situation mag sich der eine oder andere dabei zurück an die Foltercamps der Amerikaner in Guantanamo und dem damit verbundenen Skandal erinnern. Außerdem kann sich jeder am Ende des Films hinterfragen, ob der Zweck tatsächlich immer die Mittel heiligt.
Was Szenerie, Musik und Sound anbelangt, ist der Film recht spartanisch. Er könnte ebenso gut als Theaterstück aufgeführt werden. Es beweist aber auch, dass ein Film interessant und durchaus spannend sein kann, obwohl er praktisch nur in einem Raum spielt und extrem dialoglastig ist. Von der Machart erinnert er (trotz so unterschiedlicher Thematik) am meisten an "Die 12 Geschworenen" von 1957.
Viele haben sich beschwert, dass der Film nicht hält, was das Cover verspricht. Wie krank und degeneriert muss eine Gesellschaft/Generation sein, wenn man sich darüber aufregt, dass abstoßende (!) Gewaltszenen (die fast immer nur dem reinen Selbstzweck dienen) NICHT gezeigt werden?
Verkehrte Welt: Früher wollte man, dass die Opfer davon kommen und den Killer zur Strecke bringen. Aber seit SAW und HOSTEL hoffen viele wohl nur, dass noch weiter möglichst finster abgeschlachtet wird und man möglichst alles davon zu sehen bekommt. Wahrlich traurig.
Leute, die sich gern mal durch Gewalt berieseln lassen, sollten einen weiten Bogen um den Film machen - sie werden den Film weder mögen, noch begreifen.
Zuschauer, die auch ihr Gehirn benutzen können und wollen, erwartet hingegen ein Film mit überraschenden Wendungen und durchaus schockierendem Ende inkl. Knalleffekt.
Kaufen muss man den Film vermutlich nicht unbedingt, da die Überraschungen nach dem ersten Sehen verflogen sind.
Daher auch nur 3,5 Sterne (gerundet = 4).