Das Buch "Fit for Change", das vom Titel her auf eine gewisse Aufbruchstimmung schließen lässt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine Ansammlung von Übungen und Konzepten, mit denen sich Veränderungen vor allem verwalten und "abarbeiten" lassen. Zu den unausgesprochenen und fragwürdigen Annahmen dieses Buches zählt, dass Veränderungen im Detail vorausgeplant werden können und dass die direkt Betroffenen eigentlich arm dran sind und daher des Zuspruchs und der Betreuung bedürfen, was sie in ihrer zugeschriebenen Opfer-Rolle weiter stärkt. Bestenfalls gestreift wird der Aspekt, wie man in gesellschaftlich und wirtschaftlich komplexen Situationen zu effektiven und damit nachhaltigen Veränderungen kommt. Betroffene nur nach ihrer Meinung zu fragen ist vielleicht doch etwas sehr schlicht.
Zu den Übungen: Einige davon bewegen sich deutlich auf Kita-Niveau; es wird mit hölzernen "Veränderungsherzen" gearbeitet, viel gemalt und gelegentlich mit Bäumen gesprochen. Andere Übungen lassen Zweifel darüber aufkommen, was sie überhaupt mit Change Management zu tun haben könnten.
Veränderungen, die nicht zu allererst im Kopf stattfinden, sind keine. Vor diesem Hintergrund fällt auf, dass aktuelle Konzepte und Tools zum Umgehen mit mentalen Modellen, Paradigmen und evtl. Blockaden nicht vorkommen. Offen bleibt ebenso, wie kognitive Dissonanzen abgebaut, wie intellektuelles und emotionales Engagement manipulationsfrei entfacht, wie bei Rückschlägen durchgestartet und Resilienz und Selbstwirkung in schweren Zeiten entwickelt werden können. Offensichtlich sind neurowissenschaftliche Erkenntnisse und Strategien im Change-Prozess bei den Autoren von "Fit for Change" noch nicht angekommen.
Insgesamt dafür 50 Euro zu bezahlen, ist nicht einsehbar und belegt ungewollt, was der Verlag mit "Change" eigentlich meint.