Kaum ein Wu-Tang Clan Mitglied genießt die Beliebtheit von Ghostface Killah. Und dies zurecht, denn kein anderer droppt so viele Solo-Alben wie GFK und schafft es dabei eine konstante Qualität zu halten. Nach seinem furiosen Debüt "Ironman" aus 1996 folgten weitere drei Alben, ehe er 2006 mit "Fishscale" das erste von 2 Werken in diesem Jahr droppte. Ähnlich wie Raekwon's "Only Built 4 Cuban Linx" ist auch dieses Werk etwas an Drogen, sprich Kokain, orientiert, was auch im Inlay noch einmal verdeutlicht wird, das soll jedoch nicht heißen, dass Ghost auf diesem Album keine anderen Themen anspricht. Neben den Jungs vom Clan trifft man hier als Gäste auch noch Ghostface Killah's zweites Projekt, die Theodore Unit, an, außerdem darf R'n'B Star Ne-Yo ans Mic und auch der verstorbene Notorious B.I.G. wurde mit eingebaut. Leider gibts es keine Beats vom Wu-Mastermind The RZA, dafür nahmen Just Blaze, MF Doom, Pete Rock, Cool & Dre oder die Hitmen das Heft in die Hand.
Rein ins Album und los geht's nach dem Intro mit "Shakey Dog". Rhythmisch und kraftvoll, dennoch soulig dank einiger Vocal Samples im Hintergrund, noch dazu rappt GFK dazu wie am Fließband und flowt, als gäbe es nichts Leichteres. Zusammen mit Cousin Raekwon wird uns die Maßeinheit "Kilo" etwas näher gebracht und welche Substanzen danach abgepackt werden. Dies geschieht über ein vor Funk triefendes Instrumental, das uns in die 70er zurückversetzt und somit die perfekte Stimmung für die beiden Koksnasen schafft. "The Champ" klingt großspurig, für einen solchen Track kann es nur einen Producer geben: Just Blaze. Gewohnt pompös donnert seine Produktion aus dem Speaker, beinhaltete groovende E-Gitarren und eine mächtige Armada an Trompeten, die uns wahrlich glaubhaft machen, dass wir es mit einem Champ zu tun haben - geniale Nummer, ein Headbanger, von dem man nicht genug bekommen kann.
Erinnerung an alte Zeiten bringt "9 Milli Bros." mit sich. Wie einst "M.E.T.H.O.D. Man" 1993 leitet RZA den Song ein und stellt alle Clan Mitglieder kurz vor, danach beginnt die großartige Arbeit des MF Doom. Etwas dramatisch und düster, durch Piano aber auch flott und mitreißend, was für ein Brett, noch dazu rappt der komplette Wu-Tang Clan darüber, selbst ODB (R.I.P.) wurde mit eingebaut. Wu-Herz, was willst du mehr? Ein zweites Duett mit Raekwon erleben wir mit "R.A.G.U.", das ist die Kurzform von "Raekwon And Ghost United". Smoother Beat, fast schon mit Lounge Style, dazu ab und zu mal ein paar Streicher, die die entspannte Atmosphäre etwas aufpeppen und wieder mal die beiden, die auch noch mit weit über 30 so frisch klingen wie zwei Jungspunde. Durch Ne-Yo bekommt "Back Like That" einen recht weichen Touch, mir gefällt er jedoch äußerst gut. Soulig und mit einem traumhaften Groove kommt der Song rüber, besonders wenn Ne-Yo den Refrain performt. Ghost's Verse sind schlichter gehalten, fast ausschließlich ein Klavier begleitet ihn, dabei kann man ihm gut folgen, gegen Hook steigert sich das Ganze dann wieder zu einem wunderbaren Klangbild, das jedem, der offen für weichere Töne ist, unter Garantie gefällt.
Bei "Jellyfish" wird georgelt, was das Zeug hält, das bringt auch etwas Old School Soul Style, sehr cool gemacht. Auch Ghostface überzeugt mit elegantem Rap, amüsantes Highlight dürfte seine kurze Gesangseinlage sein. Mit dabei noch die Theodore Unit, um Cappadonna, Shawn Wigs und Trife, die ebenfalls einen ordentlichen Job machen. Und weil das Ganze so gut geklappt hat, gleich noch eine Kollabo auf "Dogs Of War", das wie der Vorgänger nach vergangenen Zeiten klingt und verdammt funky um die Ecke kommt. Nach "Big Girl", das fast schon an ein Kinderlied erinnert, erreichen wir den letzten Teil von "Fishscale". Eingeleitet wird dieser von der verträumten und mit Flöten und Glöckchen gestalteten Nummer "Underwater", deren Konzept mit diesem Sound perfekt umgesetzt wurde, bevor GFK auf dem sehr emotionalen, wieder etwas R'n'B angehauchten "Momma" (feat. Megan Rochell) all den Müttern dieser Welt seinen Respekt zollt. Zu guter Letzt wird uns noch ein für Cool & Dre Verhältnisse äußerst düsterer und langsamer Banger auf die Ohren gezimmert, nämlich "Three Bricks". Den Anfang auf diesem dunklen Stück macht Biggie Smalls, dessen Stimme hier wie angegossen passt, abgelöst wird er von Raekwon und Ghostface Killah, die nicht minder gut performen. Was für ein Abschluss!
Wie man es von Ghostface Killah kennt, liefert er auch hier mal wieder Arbeit nach Maß und liefert ein Abwechslungsreiches Album, das sowohl mit modernen Krachern, als auch mit Songs, die sich an den Seventies orientieren, für viel Unterhaltung sorgt. Da RZA nichts produziert hat, fehlt etwas der typische Wu-Sound, doch das ist zu verschmerzen. Aufgrund der ein oder anderen weniger gelungenen Nummer schrammt "Fishscale" an der Bestnote vorbei, ist aber dennoch ein gutes und empfehlenswertes Werk, das man sich als Freund von Rap aus New York City sicher bedenkenlos ins Regal stellen kann.