Ist das nicht? Also, das ist doch ... Als im Abspann von „Die zwei Türme" nicht der Name Björk auftauchte, war ich einigermaßen überrascht. Wie man hört, sollte besagte Landsfrau tatsächlich „Gollum's Song" singen, lehnte aber ab. So hörte ich - wie viele andere vermutlich auch - im Kino zum ersten Mal Emiliana Torrini, und war - wie viele andere vermutlich auch - begeistert.
Wenn andere Künstler ein solches Podium geboten bekommen, schieben sie flugs ein Album mit zehn „Gollum's Songs" hinterher. Ms. Torrini jedoch ließ sich drei Jahre Zeit und lieferte ein ganz und gar verblüffendes Werk ab. Okay, die Stimme immer noch ein bisschen wie der große isländische Star, zerbrechlich und jung, elfenhaft und brüchig. Doch das Album geht ganz andere Wege und versucht erst gar nicht, auf der Björk-Schiene weiterzufahren. „Fisherman's Woman", auf den Weg gebracht mit neuem Label, ist sehr akustisch, sehr still und sehr intim, ein bisschen Folk, ein bisschen Jazz und immer ganz nah an der Künstlerin. Das dürfte alles andere als verkaufsfördernd sein und ist definitiv eine Enttäuschung für jene, die ihre elektronische Debüt-CD toll fanden. (Ich habe das Debüt erst als zweites gehört, Gottseidank, und mir ging es genau andersherum.) Getragen werden die Songs auf „Fisherman's Woman" hauptsächlich von Stimme und Gitarre, dazwischen sind Klavier und Schlagzeug hingetupft. Die Musik ist so bescheiden und ruhig, dass man meinen könnte, sie hätte die lange Zeit seit ihrem ersten Album damit zugebracht, den Raum zwischen den Tönen mit andächtiger Stille zu füllen. Und das sicher nicht zufällig. Müssen die fisherman's women doch stets mit Trennungen leben und mit Verlust rechnen, so geht es auch hier immer wieder um Abwesenheit: „Friends tell me it's spring / my window show the same / without you here the seasons pass me by" aus dem Song „Today has been OK" ist nur ein Beispiel dafür.
Auch wenn das Album ab der Mitte etwas an Fahrt gewinnt, ändert sich am Gesamtkonzept nichts. Meine Anspieltipps sind „Today has been OK", „Nexttime Around" und "Heartstopper". Und auch wenn ich beim ersten Hören etwas verwirrt über die Platte war, so kann ich schlussendlich sagen, dass sie mit jedem Hören hinzugewonnen und deshalb ohne Zweifel die höchste Punktzahl verdient hat.