"Fisherman's Blues" ist ganz einfach ein schönes, lockeres Folk-Album. Sicher, der ganz große Hammer ist nicht dabei, aber dafür hört man hier von Anfang bis Ende gediegenen Folkrock, melodiös ohne Zuckerguss, geprägt von allürenfreien Akustik-Klassikern: Fiddle, Akkordeon, Mandoline, Bouzouki (!) -- und eine gute Prise Blues im Harmonien-Fundament. Also weder betuliche Klampfen-Soli noch altbackener Highlander-Purismus. Die Waterboys spielen nicht für die Gralshüter der hehren Tradition auf.
Man kann sich diese CD gut und gern ein paarmal hintereinander anhören, ohne sie über zu bekommen. Umgekehrt wird schon eher ein Schuh draus: Manches erschließt sich einem erst bei genauerem Hinhören. Klar, dass eine Band schon was bringen muss, wenn sie sich an einen Van-Morrison-Klassiker wie "Sweet Thing" traut und neben der schottischen Heimat auch die amerikanische Songwriter-Tradition von Woody Guthrie bis Bob Dylan anklingen lässt. Und die Waterboys bringen es, soviel steht fest. Das Schöne dabei: Bei aller Professionalität haben sie sich ihre Spielfreude bewahrt -- ob in "We Will not Be Lovers", einer Synthese aus Blues-Melodie und Folk-Instrumenten mit viel Mandolinen-Drive, oder in den Folk-Nummern "And A Bang On The Ear" und "Has Anybody Here Seen Hank" -- unbeschwert das eine, augenzwinkernd melancholisch das andere. Oder das verhalten beginnende "When Will We Be Married", wo Mike Scotts Gesang mit spartanischer Fiddle-Untermalung eine ganz eigenartige Spanung aufbaut. "When Ye Go Away" wiederum lässt Dylan anklingen, zum Glück ohne ihn imitieren zu wollen. Den Höhepunkt markiert "The Stolen Child" -- wie in "Sweet Thing" hat sich Mike Scott auch hier deutlich vom großen Morrison anregen lassen, und auch hier gilt: Er imitiert nicht, er hat seinen eigenen Stil entwickelt. In "The Stolen Child" jubeln sich federleichter Gesang, Storyteller-Sprechgesang und einfühlsame Instrumentierung ganz allmählich gegenseitig in immer neue Höhen; und dabei entsteht zugleich eine Atmosphäre, die einen an lockeres Improvisieren im Guiness-Dunst denken lässt.
Den Schlusspunkt setzt eine Nummer, die auf dem Cover ungenannt bleibt: eine Kelten-Hommage an Woody Guthrie, "This Land Is Your Land". Auch das eine Aussage...