Nach dem ich mit grosser Freude und Spass das Buch von S. Ulrich "Quattro Stagioni: Ein Jahr in Rom" gelesen hatte, hatte ich gehofft, das sein Kollege (beide schreiben für die Süddeutsche) eine doch vergleichbare Schilderung seiner Erfahrungen mit seinem Aufenthalt in England zu Papier bringt. Und zu Anfang ist dies auch so, die Haussuche, die ersten Kontakte mit den Nachbarn, das war humorvoll und treffsicher geschrieben. Aber ich begriff schon zu Beginn nicht, wieso er immer wieder für den von der Heimatredaktion geforderten Nachruf der Queen diese persönlich treffen muß. Das dies die Regel ist, vermag ich nicht zu glauben. Und diese fixe Idee nimmt ab dem 2. Drittel des Buches leider das Heft in die Hand und man bekommt seine zum Teil lächerlichen Bemühungen, die Queen zu treffen, vorgeführt. Die geschilderte allergische Reaktion auf Chanel No. 5 während der Ordensverleihung bis zur Handy-statt-Blumenreichung am Ende des Buches, das alles ist ein dolles Ding, wenn es wirklich so gewesen ist. Ich empfand es überzeichnet. Hierbei hat mich das Agieren eines Auslandskorrespondenten der SZ überrascht, ich hatte mehr Professionalität im Umgang mit Sekretären, Pressesprechern etc. erwartet.
Vermisst habe ich mehr Berichte von alltäglichen Vorfällen und Geschehen im Leben eines Deutschen in England, von Problemen mit Behörden, mit Kollegen usw.
Ach ja, ob der Nachruf inzwischen fertig ist, das erfahren wir leider nicht...