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Fischer in Frankfurt. Karriere eines Außenseiters
 
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Fischer in Frankfurt. Karriere eines Außenseiters [Gebundene Ausgabe]

Wolfgang Kraushaar
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Hamburger Edition; Auflage: 1. Aufl. (16. Oktober 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3930908697
  • ISBN-13: 978-3930908691
  • Größe und/oder Gewicht: 23,8 x 16,5 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.027.771 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Wolfgang Kraushaar
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Anfang 2001 sorgten Bilder, die Joschka Fischer als prügelnden Demonstranten zeigen, in den Medien für Furore. Nicht nur der Außenminister musste sich peinliche Fragen zu seiner militanten Vergangenheit gefallen lassen, auch die gesamte 68er-Generation fand sich unversehens auf der Anklagebank wieder.

Der Hamburger Historiker und Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar knüpft in seinem neuen Buch an die jüngste Auseinandersetzung um den früheren Straßenkämpfer Joschka Fischer an. Er analysiert dessen wohl einmalige politische Karriere, indem er sie in wichtigen Aspekten entpersonalisiert. Und er beschreibt den historischen Kontext, aus dem die Stationen von Fischers politischer Biografie zu begreifen sind: die antiautoritäre Revolte, die Sponti-Szene mit Daniel Cohn-Bendit, den Frankfurter Häuserkampf und den Konflikt um die Durchsetzung des realpolitischen Flügels bei den Grünen. Erst aus diesen sozialen und kulturellen Zusammenhängen gewinnt die komplexe Person des Außenministers ihre Kontur.

In der von anklagender Polemik, von Ressentiments, politischem Kalkül aber auch von schlichter Unkenntnis verzerrten Debatte, ist das Buch sichtlich um Aufklärung bemüht. Neben Fischers politischer Karriere, die Kraushaar als ein "einzigartiges gesellschaftliches Cross-over" begreift, sind es daher vor allem die Entwicklung der linksradikalen Frankfurter Szene und ihr Verhältnis zum RAF-Terror, denen der Autor eigene Kapitel widmet, ergänzt durch einen informativen Essay über die CDU-Kampagne gegen Joschka Fischer sowie einen Beitrag zur Israelpolitik des Außenministers und seiner unverhofften Rolle als Nahost-Vermittler.

Indem Wolfgang Kraushaar den schmerzreichen Weg Fischers zum politischen Realismus dokumentiert, skizziert und analysiert er gleichzeitig ein Stück jüngster bundesdeutscher Geschichte, um dessen Bedeutung für das politische Selbstverständnis dieser Republik eine heftige Kontroverse tobt: den Mythos 1968. --Stephan Fingerle

Pressestimmen

»Kraushaars Buch lehrt seine Leser, die Geschichte der Bundesrepublik, der Studentenbewegung und auch die Karriere des Außenministers [Fischer] neu zu bewerten, und eröffnet ihm die Chance, darüber ebenso affektfrei zu urteilen, wie man heute etwa die Revolutionen der dreißiger und vierziger Jhare im 19. Jahrhundert nachvollzieht.« (Barbara Sichtermann, Frankfurter Rundschau)

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Nicht gleich weglegen! 30. November 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Bei vielen Büchern hat der Leser nach der Hälfte genug und stellt sie entnervt wieder zurück ins Regal oder quält sich pflichtbewusst durch den Rest. Bei diesem ist es umgekehrt, die zweite Hälfte ist erst richtig gut.
Der Titel des Buches ist irreführend bis an den Rand des Etikettenschwindels. Von Joschka im Frankfurt der 70 er Jahre erfährt man wenig und noch weniger etwas, was man nicht schon in einer Zeitung oder im SPIEGEL gelesen hätte. Dass man, um das (politische) Handeln einer Person zu verstehen, auch und vor allem den "historischen Kontext" (Klappentext) kennen muss, ist eine Banalität, die im Übrigen für jede Person gilt. Immerhin muss man dem Autoren zugute halten, dass nur wenige diesen Kontext der Frankfurter "Szene" kennen und er sich von selbst nicht unbedingt jedem Interessierten erschließt. Trotzdem: Schade, dass man so wenig über die individuelle Person Joschka F. erfährt, zumal der Autor selbst zum beschriebenen Milieu dieser Jahre gehörte und Fischer gut kennt.

Das Buch besteht aus mehreren Artikeln und Aufsätzen, die teilweise schon vorher veröffentlicht worden sind. Zunächst wird die poltische Karriere von Herrn Fischer nachgezeichnet, dann der Frankfurter Häuserkampf in eher chronologischer Anordnung abgehandelt. Nette Zusammenfassungen von hinlänglich Bekanntem. Interessanter schon ein Porträt von Daniel Cohn-Bendit, der ohne jeden Zweifel einen großen Einfluss auf die politischen Entscheidungen Fischers in jener Zeit hatte und der doch so etwas wie ein Vorbild war.(Gerüchte sagen, dass die wichtigen Entscheidungen der Abendplena im Studentenhaus am Frühstückstisch der WG zwischen Cohn und Fischer ausgekungelt worden sind, aber wer saß schon dabei?...) Hier nun kommt der Autor etwas aus der Reserve...
Dass der charismatische Kommunikator von quecksilberhaftiger Flexibilität ist, mag ein Vorzug sein, birgt gleichzeitig aber die Gefahr in sich, dass schließlich bei veränderten politischen Konstellationen - so die Diagnose des Autors - aus dem "anarchistisch-libertären" ein "liberal-republikanisches" Selbstverständnis wird. Der Unmut Kraushaars ist hier wie an ähnlichen Stellen unüberhörbar.

Und das gilt noch mehr für Joschka Fischers Mutierung vom machistisch-halbproletarischen Revolutionär zum "Realpolitiker". Interessant (wenn auch manchmal etwas langatmig) der politisch-historische Stammbaum des Begriffs "Realpolitik", er stammt aus dem 19. Jahrhundert von dem Nationalliberalen Revolutionär/ dann: Realpolitiker Ludwig August von Rochau. Sicher gibt es, so der Autor, nur Homologien zwischen den Karrieren und dem Denken beider Personen, in beiden Fällen wird aber die Idee einer gesamtgesellschaftlichen Umwälzung hin zu mehr Freiheit für jedermann (bei Fischer auch: für jede Frau) auf das allein Machbare reduziert. Keine Frage, dass Kraushaar mit diesem Eindampfungsprozess nicht einverstanden ist.

Das Buch schließt mit einem interessanten Artikel über den Antisemitismus in der Neuen Linken, der sich als "antiimperialistischer Kampf" drapiert und einem auführlichen und sehr differenzierten Interview, das der Autor zum Aufstieg und Ende der RAF gegeben hat.

1976 stellt Fischer in einer emphatischen Rede noch den "Lehrern, Professoren, Sozialarbeitern" die Linksradikalen gegenüber, die einen revolutionären Lebensentwurf glauben ihr eigen nennen zu können - aber gerade die machen dann in ein oder zwei Jahren ihr Diplom (oder auch nicht) und werden genau das: Lehrer, Professoren und Sozialarbeiter. Nicht dagegen opponiert Kraushaar, sondern gegen eine Aufgabe des Anspruchs, an den Werten der großen Utopien festzuhalten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Zuckererbsen und das Recht auf Faulheit. Wie beides zusammengehen kann - profanes Alltagsleben und das Streben, die im Individuum wie in der Gesellschaft enthaltenen kreativen und befreienden Potenziale freizusetzen, dafür gibt uns der Autor kein Rezept.

Muss er auch nicht. Der kritische Theoretiker legt den Finger in die Wunde. Pflaster kleben andere.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Diese Antwort auf die keifend (frei nach Herbert Wehner) geführte „Fischer- Debatte“ wird wohl hoffentlich für deren Ende sorgen und den einen und/ oder anderen „Krawattenstar des frühen Bindens“ endlich ruhig stellen!

Eine sorgfältige Aufarbeitung des Stoffes, gekleidet in eine anspruchsvolle und dennoch leicht verständliche Sprache, skizzieren ein Bild der ehemaligen BRD, die ohne 68 heute zweifelsfrei ärmer wäre.
Auf die überaus besondere Bedeutung und Rolle von Daniel Cohn- Bendit wird ebenso ausführlich eingegangen wie auf den Begriff der „Real- Politik“, der erstmals in den politischen Äußerungen eines gewissen Ludwig August von Rochau, den man nicht mögen muß, auftaucht.
Mit dem „Tool“ der Parallelprojektion wird der realpolitische Begriff in seiner historischen Dimension untersucht und letztendlich die Personen von Rochaus und Fischers klar voneinander getrennt!
In anschaulicher Weise wird die Situation der Straßenkämpfer und Hausbesetzer geschildert, die im Laufe der Jahre aus einem „Verweigerer“ einen „Verfechter“ der parlamentarischen Demokratie macht.
Diese Wandlung mit all ihren Schwierigkeiten und Problemen hinsichtlich des dabei auftretenden, temporären Erklärungsnotstandes bezüglich politischer Positionen hat Joschka Fischer in absolut aufrichtiger Weise nicht nur überstanden sondern auch vorgemacht!
Und auch die Tatsache, dass die GRÜNEN, zu denen ich selbst gehöre, der schlussendlichen, weil sonst nicht auszuhaltenden Notwendigkeit von Militäreinsätzen zustimmen können, ist sein Verdienst! Hoffen wir, dass uns diese „Aufrichtige Regierungsfähigkeit ohne Affären“ noch lange erhalten bleibt.

Sehr aufschlussreich ist auch das Interview zur RAF am Ende des Buches.
Hier äußert sich der Autor sehr differenziert zu den Beweggründen und Auswirkungen des Terrorismus in den 70er Jahren und stellt auf eindrucksvolle Weise den fatalen Irrtum einer Sache dar, die so nicht hätte passieren dürfen.

Bloß, wenn das alles nicht passiert wäre, wäre wirklich nichts passiert!!

Olaf Schol

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