Zuerst dachte ich, na ja, das ist einfach mal so eine Geschichte von drei jungen Menschen, was soll daran schon großartig "spannend" sein, aber ich habe mich getäuscht. Ich wurde angenehm überrascht. Eine doch so einfache Geschichte kann so interessant sein, vor allem aber, wenn es der Autor so gut versteht wie Genovesi, mit seiner Sprache den Leser unweigerlich mitzuziehen. Bei mir hat es blendend funktioniert.
Ich konnte mir die Figuren richtig lebhaft vorstellen (nicht nur, weil ich italienische Freunde habe, die die typische italienische Familie darstellen). Ich finde, dass es Fabio Genovesi richtig gut gelungen ist, seine Geschichte auf Papier zu bringen. Er hat es verstanden, den Leser zu begeistern (hat bei mir jedenfalls funktioniert). Man erfährt nicht nur, dass Fiorenzo seine rechte Hand verloren hat, sondern man erlebt den Unfall mit, weiß eigentlich schon, was passieren muss, als ihm seine grandiose Idee einfällt, ein Kanalmonster zur Strecke zu bringen. Gut nur, dass er eine begnadete Stimme hat, denn als Rennradfahrer würde er wohl keine Karriere mehr machen, zumindest hatte ihn der Vater nach dem Unfall einfach "fallen lassen" und sich mehr oder weniger einen Ersatzsohn gesucht, der seinen Traum nun weiterleben konnte. Es ist auch interessant, zu erfahren, dass Mirko nicht nur ein begnadeter/talentierter Rennradfahrer ist, sondern vielmehr ein richtiges Genie, ein Musterschüler war, der an einem für ihn entscheidenden Tag im Leben den Schulunterricht geschwänzt hatte, und zwar aus purer Angst, von einem Mitschüler - den Gott nicht mit Intelligenz gestraft hatte und dem die Karriere eines Bestatters drohte - "umgebracht" zu werden. Mirko hatte aus Verzweiflung die Schule geschwänzt, als er durch einen Aufsatz seinen Lehrer dazu gebracht hatte, den Job an den Nagel zu hängen. Dabei wäre er beinahe zwei ausgehungerten Schäferhunden zum Opfer gefallen, die in ihm nichts weiter als eine etwas größer geratene Mahlzeit sahen. Und dann die Begegnung mit Tiziana. Hier hat einfach alles gepasst. Für mich hat Genovesi Talent bewiesen, den Leser mit einer doch recht einfachen Geschichte in den Bann zu ziehen. Mit einer gewürzten Prise Humor treibt er die Geschichte voran. Ich habe mich auf alle Fälle köstlich amüsiert (sprachlich hat mich das Buch ebenfalls angesprochen/es liest sich fast wie von selbst. Natürlich muss man am Anfang ein bisschen aufpassen, damit man die Zusammenhänge richtig versteht und keine wichtige Info verpasst, aber das ist eigentlich bei allen Büchern so. Irgendwann ist man genau an der Stelle angelangt, wo man als stiller Beobachter einfach in die Geschichte mit einfließt und nur noch interessiert und gespannt zuschaut, was sich daraus entwickelt. Es ist schon sehr interessant, die Gedanken der Figuren aus erster Hand/Ich-Perspektive zu erfahren. Es war zu keinem Zeitpunkt verwirrend, ich konnte der Handlung sehr gut folgen.
Fazit: Ein erfrischender Roman! Ich habe ihn gerne gelesen und ich werde ihn sicher wieder einmal aus meinem Bücherregal fischen. Denn der "moderne" Erzählstil von Genovesi hat die Geschichte richtig aufgefrischt. Super!