Jean Marie Gustave Le Clézio, der mir bis vor einigen Tagen und zur Vergabe des Nobelpreises für Literatur leider noch absolut unbekannt war, hat in seinem Roman Fisch aus Gold" ein wunderbares Frauenportrait gezeichnet. Ein Frauenportrait, aber auch ein politischer Roman, ein Entwicklungsroman, ein Roman der Entfremdung, eine Liebeserklärung an Afrika.
Er lässt Laila, die mit sechs Jahren geraubt wird (die Hintergründe erfährt man erst kurz vor Schluss), ihre Geschichte erzählen, vom Unwissen über die Identität ihrer Eltern, vom Dasein als Hausmagd, von Prinzessinnen", von ihrer aufkeimenden Liebe zur Literatur, von guten und schlechten Männern, von ihrer Flucht nach Frankreich, von den Personen, die alle in Erwartungshaltung ihren Weg begleiten, von Erfolgen und Misserfolgen, bis hin zum sich schließenden Kreis. Eine spannende Lebensgeschichte, der man nur zu gerne folgt.
Er tut das in wunderbar poetischer Prosa, lakonisch, präzise; hier ist kein Wort fehl am Platz, kein einziger Satz klingt wie Zufall.
Klingt", weil man Jean-Marie Gustave Le Clézios Prosa einfach auf der Zunge zergehen lassen muss, weil diese Prosa musikalisch ist, weil sie nachklingt, weil es ein Genuss ist, diesen Autor zu entdecken.
Ich habe mir beim Lesen immer wieder kopfschüttelnd die Frage gestellt, wieso dieser Autor bis zur Vergabe des Nobelpreises nie wirklich bekannt war. Ein faszinierende Entdeckung.