Nach dem Ende von Harem Scarem ist es schön, den kanadischen Sänger Harry Hess doch noch einmal zu hören. Auch wenn es sich bei "First Signal" leider noch nicht um eine gefestigte Band, sondern mehr um ein Studioprojekt handelt, das unter dem Frontiers-Records-Banner mal wieder mit hochklassigen Namen auffährt. Das Ganze ist aber mitnichten eine der vielen All-Star-Fließbandproduktionen, die man von diesem Label beinahe im Wochentakt kaufen kann und die sich dann gelegentlich als strunzlangweilig und überflüssig herausstellen- vielmehr sorgen hier die unterschiedlichen Songschreiber von Bands wie Signal über Work Of Art bis House Of Lords für Abwechslung, wodurch die CD eben nie zu Einheitsbrei verkommt.
Schon die beiden Eröffnungsnummern "This City" und "When You Believe" machen durch ihre Eingängigkeit Lust auf mehr und ehe man sichs versieht, hat man schon auf der Repeattaste herumgedrückt.
"Part Of Me" ließ mich verdutzt in Richtung Stereoanlage blicken: Im Verlauf der ersten Strophe ist der Song nichts anderes als lupenreiner Pop, bevor der Refrain dann doch in einen famosen Rocksong umkippt und die Rübe mitwackelt: Ein genial arrangierter Überraschungseffekt.
Und so wechseln sich weiterhin erstklassige Rocknummern mit durchaus poppigen Einflüssen ("First Signal", "Into The Night") und wirklich schönen Balladen ("When November Ends") ab und halten den Hörer bei Laune.
Ach, Apropos Ballade: Mit "Feels Like Love This Time" gibt es auch endlich mal wieder eine Rockballade, die ich in dieser Form von Bryan Adams (Gesanglich erinnert Hess hier stark an ihn, freilich ohne ihn zu kopieren) seit 20 Jahren nicht mehr gehört habe: Schön rauer Gesang, dazu krachende Gitarren und alles fernab von Schmalz, Gesäusel und Kitsch.
Dennis Ward, der in letzter Zeit als Produzent recht häufig in Erscheinung tretende Bassist von Pink Cream 69, verpasste der CD einen klaren und druckvollen Klang, der herrlich aus den Boxen knallt ohne dabei zu verzerren, was ja heutzutage sonst leider öfter üblich ist.
Wer das fantastische "Diamond Blue" - Album von Terry Brock oder die "Dream The Dream" von Genrekollegen Stan Bush bereits im Schrank stehen hat, schlägt auch hier zu und weiß um die Klasse dieses Albums, ohne auch nur einen Ton gehört zu haben.
Der Rest freut sich auf erstklassigen Melodicrock, der einfach nicht im Radio stattfindet, obwohl so ziemlich jeder Song dort laufen könnte und ohne weiteres in der Lage wäre, ein breiteres Publikum anzusprechen.
"First Signal" schrammt nur Haarscharf an den 5 Sternen vorbei, weil "Crazy" für meinen Geschmack doch etwas zu lahm daherkommt. Und vielleicht ist ja beim nächsten Mal noch die eine oder andere Uptemponummer dabei, die das Ganze noch mehr auflockert. Mit der Bitte um einen Nachfolger vergebe ich also ganz starke vier Sterne und eine unbedingte Kaufempfehlung.