Plötzlich konnte das alles nicht mehr passen: Kopfmusik pauschal als reaktionär zu verdammen, die verkopften Ursprünge der entstehenden Grooves aber nicht verleugnen zu können. Irgendwann war für die Münchner Jazz-Elektro-Rock-Avantgardisten F.S.K. die Schere zu groß geworden zwischen dem theoretischen Anspruch ihrer Platten und der entsprechenden Musik. "First take then shake" ist Krisenbewältigung, die Endproduktion übernahm der Detroiter Techno-Musiker Anthony ,Shake' Shakir, was für F.S.K. heißt: Der Beat, der Rhythmus, der Bauch werden in fremde Verantwortung übergeben. Was aber auch heißt, dass Kopf und Bauch eine natürliche Einheit bilden, nicht zuletzt geografisch: Detroit und München sind Motor Cities, General Motors und BMW als Verbindung von Bandstruktur und Elektronik, warum nicht. "Im afrogermanischen Widerschein/will der Blues eine Maschine sein" heißt es dazu im beinahe zu versöhnlichen "Kinski Jones". Die Versöhnung von Rock und Elektronik bleibt allerdings nie im Wohlklang stecken, "Doctor Buzzard's Original Savannah Band" markiert vielmehr ein subversives Konzept: "From disco to house/with a click of the computer/getaucht in Musik/schalten wir Regierungen aus". Dazu sollte man dann tanzen. Wirklich. (fis)
Das Label über die CD
"First Take Then Shake" ist das elfte Studioalbum von F.S.K. - immer noch Thomas Meinecke, Michaela Melián, Justin Hoffmann, Wilfried Petzi und Carl Oesterhelt. F.S.K. setzt mit dem neuen Album die Reise in Richtung bandorientierter elektronischer Musik und deren repetitive Soundstrukturen fort, die sie 1996 mit der Maxisingle "4 Instrumentals" begannen und mit den beiden Alben "Tel Aviv" (1998) und "X" (2000) in unterschiedliche Richtungen vertieft hatten.
Im Februar 2003 gingen F.S.K. zum vierten Mal ins Uphon Studio, Weilheim, und nahmen dort mit Mario Thaler ihr neues Album auf. Rough Mixes dieser Stücke wurden nach Detroit zu der afroamerikanischen Techno/House-Legende Anthony "Shake" Shakir geschickt: Dieser ging umgehend mit der Band und seinem Sampler ins Studio, um die Produktion des Albums fertigzustellen. Die ersten umfangreichen und durchweg euphorischen Berichte von diesem sensationellen Treffen erschienen bereits Monate vor der Veröffentlichung des Albums.
In den mittlerweile bereits über 20 Jahren Bandgeschichte waren F.S.K. immer wieder für musikalische Überraschungen gut. Die Zusammenarbeit mit Anthony "Shake" Shakir ist ein weiteres Dokument ihrer kompromisslosen Wandlungsfähigkeit und ein weiterer Baustein in dem in dieser Form mit keiner anderen zeitgenössischen Band vergleichbaren Band-Universum zwischen New Wave, Country, Post-Rock und Post-Elektronika.