... und die, die davonkamen". So lautet der vollständige Titel von Rue McClanahans Memoiren in der Übersetzung. Und diese Zeile lässt ahnen: Es steckt mehr vom "Golden Girl" Blanche in der amerikanischen Schauspielerin, als hierzulande bekannt ist.
Der Beginn von Rue McClanahans Lebenserinnerungen liest sich wie die typisch amerikanische Erfolgsgeschichte: "Ich wuchs in einer armen, aber glücklichen Familie auf - und dann kam der große Erfolg." Doch dieser erste Eindruck trügt. Zwar stieg Rue McClanahan früh ins Showgeschäft ein, doch der "ganz große Erfolg" ließ relativ lange auf sich warten. Auf Jahrzehnte hin war sie hauptsächlich auf Nebenrollen abonniert, und bei den wenigen Hauptrollen - die zugleich absolute Highlights waren - kam immer "irgendetwas dazwischen": Divenhafte Regisseure, die sich mit dem Ensemble überwarfen und damit die aktuelle Produktion in einen frühen Tod schickten, Finanzschwierigkeiten bei den Produzenten oder gesundheitliche Probleme. In den 70ern dann der erste wirklich große Erfolg: In der damals revolutionären Sitcom "Maude" spielte Rue die beste Freundin der Darstellerin in der Titelrolle - dargestellt von Beatrice Arthur, an deren Seite sie schließlich den größten Erfolg feiern durfte: Als "Golden Girl" Blanche Devereaux. Doch dazwischen folgten noch einmal acht Jahre, in denen "ich irgendwie ständig nur als einer der unwichtigeren Gaststars auf dem LOVE BOAT herumzuschippern schien, um meine Hypotheken zahlen zu können".
Ähnlich turbulent das Privatleben: Fünf Ehen und diverse Amouren lassen erahnen, dass Rue McClanahan kein Kind von Traurigkeit ist. Doch ebenso wie ihr TV-Charakter Blanche Devereaux ist sie weit davon entfernt, ein "loses Frauenzimmer" zu sein, ganz im Gegenteil; sie glaubt an die große, wahre Liebe und kämpft um genau diese - nur hat ihr ständig jemand gehörig dazwischengepfuscht: St. Dymphna, die Schutzpratronin der Verrückten. Doch laut Rue McClanahans eigener Auslegung ist auch St. Dymphna diejenige, welche sie nach allen von ihr verursachten Katastrophen zurück auf den richtigen Weg führt.
Und so gelingt Rue McClanahan ein sehr realistischer und vor allem amüsanter Rückblick auf ihr bisheriges, sehr bewegtes Leben. Sie beschreibt ihre Niederlagen mit schonungsloser Offenheit und nimmt dabei ihre eigene oft zutage tretende Naivität aufs Korn, wobei sie Ironie und ernsthafte Selbsterkenntnis meisterhaft mit einander verflechtet. Und ihre Triumphe beschreibt sie als das, was sie sind: Nichts, was ihr in den Schoß gefallen ist, sondern das Ergebnis harter Arbeit in einem Metier, das ihr alles bedeutet. Von falscher Koketterie keine Spur.
Und noch eins fällt auf: Wenn man den Autorenangaben im Impressum glauben darf, hat Rue McClanahan ihre Memoiren ohne Hilfe eines Ghostwriters geschrieben. Wenn das stimmt, kann man nur sagen: Hut ab vor soviel Talent! Und dadurch wird "My first five husbands... and the ones who got away" zu mehr als nur den faszinierenden, amüsanten und unterhaltsamen Lebenserinnerungen einer echten "Southern Belle" mit einer faszinierenden Persönlichkeit. Es ist auch ein aufregendes Debut als Schriftstellerin, die über ein perfektes Gespür für Timing und Pointen verfügt, und man kann nur hoffen, dass noch mehr von ihr erscheint.