Ihrem neuen Album zufolge implizieren die ersten Tage des Frühlings Antriebslosigkeit und Monotonie - Noah And The Whale = sedativer Folk-Rock.
Es war einmal ein Wal, der schwomm ganz gemütlich ungestört durchs weite Meer. Plötzlich wurde er müde und fiel in den Schlaf. Und wenn er nicht von einem größeren Wal gefressen wurde, schläft er noch heute. Gute Nacht. - So ist „The First Days Of Spring“ - die zweite LP von Noah And The Whale. Einschläfernd. Monoton. Ruhig. Die Adjektive müssen generell nichts negatives bedeuten, jedoch finden wir dieses Album ja nicht im Baby-Paradies in der Schlummer-CD-Abteilung.
Ja, der Frühling ist eine besinnliche Jahreszeit, die sich zwischen Winter und Sommer am Anfang des neuen Jahres hereinschleicht. „The First Days Of Spring“ schleicht sich auch akkurat durch das Gehör. Ruhige Gitarren- und Violinenklänge, die tiefe, rauhe Stimme von Sänger Charlie Fink, die nach Adam Green klingt, zeichnen das Album. Verweilend in einem lethargischen Schwebezustand, wird man in der Mitte der Platte mit „Love Of An Orchestra“ zeitweilig aufgeweckt. Peppige Laute und hohe Frauenstimmen erinnern an einen kitschigen Frühlingstag, an dem alle möglichen Waldbewohner aus ihren Höhlen und Löchern kommen und gemeinsam auf Baumstämmen tanzen.
Nach dem imaginiertem Waldbewohner-Tanz umringt einen wieder dieser larmoyante Stil. Noah And The Whale favorisieren die Ruhe in ihrer Musik – das wird auch auf ihrem zweiten Album sehr deutlich. Das Talent einer Band, die sich auf Gelassenheit konzentriert, kommt aber nur zum Vorschein, wenn die Produktionen nicht nach instrumentalen Benzodiazepinen klingen. Bon Iver macht auch harmonisch-ruhige Musik, die nicht diese sedative Wirkung hat.
„The First Days of Spring“ hat kaum Höhepunkte und eindringliche Töne, die den Hörer mitreißen könnten. Wo ist denn die fidele Art und der Elan aus „Five Years Time“ geblieben? Mehr abwechslungsreiche Facetten mit rasanten Violinen- und Pianoklängen hätten nicht geschadet.
Auf dem Debüt seiner Band unterstützten Charlie Fink noch zwei Frauen beim Gesang: Emmy The Great und seine damalige Freundin Laura Marling. Doch Emmy ist inzwischen mit eigener Band unterwegs, und auch Laura Marling hat mit Finks Unterstützung das sehr erfolgreiche Soloalbum "Alas, I cannot swim" aufgenommen - und daraufhin den armen Fink und Noah And The Whale verlassen. Verständlicherweise verzichten die vier verbliebenen Bandmitglieder beim Nachfolger auf weibliche Unterstützung. Und natürlich bestimmt Finks Gemütslage das Konzept: Da ist etwa der folkige Blues "My broken Heart", und bei "I have nothing" summt ein Chor, während im Hintergrund Regen zu hören ist. Trotzdem feiert Fink nicht die Larmoyanz. Unterstützt von Streichern, Bläsern und immer wieder Chorgesang arbeitet er sich vom Liebeskummer vor zur Erhabenheit. So wurde "The first Days of Spring" ein wunderschönes Trennungsalbum, das selbst Genregrößen wie Belle & Sebastian oder Sufjan Stevens nervös machen dürfte. Glücklicher Charlie Fink! (cs)