Die Ratte Firmin wird in einem Bücherladen geboren. Sie ist das 13. Baby eines Wurfes von einer Mutter mit 12 Zitzen. Weil er also immer nur den letzten Rest einer jeden Milchzitze austrinken kann, muss er sich anders Nahrung beschaffen. Firmin beginnt das Papier der Bücher um ihn herum zu essen. Durch diese physische Einverleibung der Bücher bekommt er die Gabe, sie sich auch geistig einzuverleiben. Er lernt zu lesen. Von da an liest und liest er. Seine ganze Familie verlässt ihn nach und nach und er liest weiter. Nach einiger Zeit lernt er durch Beobachtungen auch den Besitzer des Ladens kennen und verliebt sich in ihn -- bis dieser ihn beinahe vergiftet. Was für eine Enttäuschung! Von da an konzentriert sich Firmin wieder ganz auf die Literatur. Zu gern würde er auch Schriftsteller sein, aber er findet keinen Weg, seine poetischen Gedanken aufzuschreiben. Das einzige Mittel der Kommunikation, zu dem er als Ratte in der Lage ist, ist schließlich ein kurzer Satz in Gebärdensprache. Mit diesem bewaffnet, traut Firmin sich zum ersten Mal in die Öffentlichkeit des Tageslichtes. Er muss einfach kommunizieren. Doch natürlich wird er wieder von den Menschen enttäuscht. Schwer verletzt wird er von einem vergammelten und einsamen Schriftsteller aufgegriffen und hochgepäppelt. Sie werden Freunde. Und obwohl auch er nicht das wahre Genie von Fermin erkennt, dringt er doch tiefer in dessen Wesen vor als alle anderen. Leider steht das Unglück schon bald wieder vor der Tür ...
Dieser Roman ist ein wahrer Schatz für alle, die Bücher lieben und ohne sie nicht leben können. Die Erzählung ist sehr melancholisch und traurig, weil Firmin es einfach nicht schafft, sich aus seiner Rattenhaut zu befreien und der Einsamkeit, die dieses Gefängnis mit sich bringt, zu entfliehen. Gleichzeitig gelingt es ihm nicht, einfach Ratte zu sein und seine Bücherwelt aufzugeben. Er ist ein Zwischenwesen in einer Zwischenwelt, die dem Untergang geweiht ist. Das wird dadurch verstärkt, dass sein Zuhause buchstäblich zum Abriss vorgesehen ist. Manchmal komisch, manchmal rührend, immer sehr intelligent geschrieben. Sehr zu empfehlen.