Jahreswende 1970/71, eine junge Beatband in ihrer experimentierfreudigsten und (vielleicht) besten Zeit. Die LP wurde in einem einsamen Landhaus aufgenommen, technisch besser als "In Rock" finde ich, bei welcher - laut Roger Glover - permanent die Regler im roten Bereich übersteuert waren.
- Fireball - eine rasend schnelle Single und einer der härtesten Tracks die in dieser Dekade überhaupt auf 45-er Vinyl gepresst wurden. Luftgeräusch am Beginn ist das Einschalten der Klimaanlage.
- Demon's Eye war die starke B-Seite. Gutes Riff.
- Anyone's Daugther: Damals wie jetzt (Blackmores Night) bewunderte Ritchie Blackmore Folk- und Countrygitarristen. Ein feiner akustischer Song, die Melodie bleibt haften, flirrende Saiteninstrumente, witzig/tragischer Text, in 10 Minuten von Ian geschrieben.
- The Mule zeigt die stilistische Vielfalt der Gruppe, privat interessiert von Klassik bis Jazz. Orientalisch schillernd, eine laute Drums/Hammond-Orgie am Ende.
- Fools, ebenfalls sehr lang beginnt meditativ, ein violinenartiges Solo versus plötzlichem Heavy-Riff in tiefstem Purpur. Ein Hammer.
- No One Came: ungewohntes Stück, funky, gute Soli von Blackmore und Lord.
- Strange Kind Of Woman war die Folgesingle von Black Night, wurde gerne im Radio gespielt. Hätte mit auf die LP gepaßt wie auch
- Freedom und Slow Train die Härte und exotische Psychedlia in die Boxen pumpen. Ian Gillans Schreie lösten damals manchen Generationskonflikt mit den Eltern aus, die Klänge wie diese noch nicht gewohnt waren.
- die anderen Boni sind Alternativ-Versionen mit/ohne Gesang. Piano Intermezzo zeigt Humor und höflichen Umgang miteinander. Kaum zu glauben, daß am ersten Studiotag noch kein Stück fertig komponiert vorlag. Damals schien die Chemie in der Gruppe (trotz Spannungen zwischen Gillan und Blackmore) so gut zu funktionieren, daß gar eine Improvisation über den "Babysitter-Boogie" innerhalb ein paar Stunden einen soliden Purple-Track ergeben hätte.
- Mehrere Kaufmotive: An Smoke on the Water oder Child in Time hat man sich sattgehört, den unterbewerteten Feuerball kann man neu entdecken. Das Booklet bietet reichlich unbekannte Informationen zu 1971, die Gruppe sah auf Bildern (Pop, Popfoto) nie besser aus als zur Zeit von Fireball und Machine Head. Und der günstige Preis!
Noch ein kleiner Tip: Die LP "Who do we think we are" - 2 Jahre später - stand auch im Schatten und bietet sich als freudige Wieder-/Neuentdeckung wie "Fireball" an. Einer der traurigsten Momente meines Lebens (Tränen, wie beim Tod von Marc Bolan) war der Tag, als ich 1973 in der Tagespresse las, daß sich diese Formation der Band aufgelöst hatte.