Nach dem dritten Han Solo Roman A. C. Crispins (Rebel Dawn) angesiedelt stellen die Adventures in Hyperspace neben den The Clone Wars Secret Missions derzeit die zweite aktuelle Jugendbuchserie dar. Als sehr Heftchen mit extragroßer Schrift und schwarzweiß Illustrationen erinnern Ryder Windhams Adventures in Hyperpsace sogar ein wenig an die bis dato ebenfalls nie in deutscher Übersetzung erschienenen junior novels Paul und Hollace Davids aus den frühen 1990er-Jahren über den Jedi Prinzen Ken und die Umtriebe der Propheten der dunklen Seite (die mittlerweile weitgehend als unkanonisch gelten). In einer Zeit angesiedelt als Han und Chewie noch als Schmuggler ihren Lebensunterhalt bestritten, sollen die Adventures auch ein wenig an die Kultstatus genießenden Romane Brian Daleys (1979 neben dem Roman zu Eine neue Hoffnung und Alan Dean Fosters Splinter of Minds Eye die ersten Star Wars-Romane überhaupt) erinnern.
Fire Ring Race beginnt, wie könnte es auch anders sein, auf Tatooine, wo es Han und Chewie gerade gelungen ist ein Faß "exotischer Köstlichkeiten" an den Hutt zu bringen und so mit Jabba über einen neuen lukrativen Job ins Geschäft gelangen konnten. Für 4000 Credits sollen sie einen Container mit wertvoller Lashaa Seide am Zoll der Fornax Station vorbeischmuggeln. Doch kaum im Landeanflug fängt der Millenium Falcon ein imperiales Signal auf, dennoch fehlt von Sturmtruppen jede Spur. Könnte Jabba sie in eine Falle gelockt haben? Beim Versuch Jabbas wertvolle Fracht in ihren Besitz zu bringen dürfen Han und Chewie schließlich Bekanntschaft mit Chief Smurdap machen, einem ehemaligen Angenten des imperialen Zolls. Zwar gelingt es ihnen den Sicherheitschef noch auszutricksen, aber als ihnen die Startfreigabe verweigert wird müssen sie Opfer eines Betrugs geworden sind und nun wegen des Diebstahls des Brautkleids einer vermögenden Adeligen gejagt werden...
Ein ganz normaler Tag im Leben eines Schmugglers also, denn außergewöhnlich scheint an dieser Kurzgeschichte so gar nichts zu sein, außer dass die Erzählung von schwarzweiß Zeichnungen begleitet wird, was dem ganzen Kinderbuchcharakter verleiht. Um allerdings auch als solches durchzugehen hätte der Verlag wohl ein anderes Format und vor allem nicht das übliche relativ billige Taschenbuchpapier verwenden sollen. Davon abgesehen hebt sich FIRE RING RACE allerdings in einer Hinsicht deutlich von Ryder Windhams Secret Missions ab, denn im Gegensatz zu den Abenteuern Nuru Kunguramas sind die Adventures in Hyperspace in sich abgeschlossen und verfolgen keine größere Rahmenhandlung. Ein interessantes Detail am Rande, Han und Chewie befinden sich in den Adventures in Hyperspace am Ende wieder genau dort wo sie begonnen haben, nämlich auf Tatooine, ähnlich wie in den drei Biografien Ryder Windhams, die wie im Falle der Lebensgeschichte Obi-Wans in dessen Hütte auf Tatooine beginnen und auch enden, wo Luke gewissermaßen die Memoiren seines Meisters ausgegraben hat. In den Secret Missions hingegen nutzt Ryder Windham Anfang und Ende seiner Romane um die Rahmenhandlung voranzubringen. Dass sich Windham in den Adventures in Hyperspace mit Han Solo beschäftigt dürfte auch der Grund gewesen sein, warum er bis dato noch keine Biografien Han Solos oder Chewbaccas vorgelegt hat, da da ja noch Material hinzu kommt, das er einbauen müsste, liegen die Lizenzrechte für die Adventures wie auch die Biografien ja beim US-Verlag Scholastic.
Aber genug davon, wie viel Han Solo steckt wirklich in FIRE RING RACE? Nicht allzu viel, doch Han und Chewie benehmen sich zumindest so wie man es von ihnen erwarten würde, wenngleich Ryder Windham im Gegensatz zu anderen Autoren vermieden hat den Charakter der beiden genauer unter die Lupe zu nehmen. Kurzum Windhams Han Solo und Konsorten denken nicht viel, sie bleiben auf Handlungen und ein paar Dialogzeilen beschränkt. So bleibt Han vor allem ein gewiefter Scherzbold, der den Falcon als Close Shave (ein Insiderscherz für Leser des ersten Secret Missions-Romans) tarnt und in die Enge getrieben vorgibt er und Chewie seien reisende Friseure. Humor hat er also, Windhams Han Solo und das lässt das Heftchen (denn dicker ist der "Roman" nicht) durchaus sympatisch erscheinen. Im Gegensatz zu manchen Han Solo Darstellungen in den Comics handelt Windhams Han sogar relativ vernünftig als er bemüht ist es sich mit Chief Smurdap nicht zu verscherzen, es könnte ja sein dass sie eines Tages wieder einen Job auf der Fornax Station zu erledigen hätten. Dass Windham zudem einen ehemaligen Imperialen Zollfahnder als Sicherheitschef für die Fornax Station gewählt hat zeugt auch von einer gewissen Dosis Realismus, zumal es in den USA nicht gar so selten vorkommt dass sich Privatfirmen im öffentlichen Dienst beschäftigte "Experten" ins Boot holen. Also noch ein Pluspunkt.
- Resümee -
Fire Ring Race versteht zwar durch manch interessante und klug eingesetzte Details zu bestechen, doch kann Ryder Windham das große Übel nicht verdecken, dass sein Plot nur Dutzendware ist und Han nicht wirklich überzeugen kann. Andererseits aber wieder schön dass sich Windham nicht an einer völligen Neuinterpretation Hans und Chewies versucht hat. Die Geschichte bleibt also kurz, einfach gestrickt und hinterlässt nur den Eindruck dass es schön war wieder einmal ein "echtes" Han Solo-Abenteuer erlebt zu haben, auch wenn sich das ganze wohl in einem Comiczweiteiler abhandeln ließe.