Fire Emblem: TSS ist wie sein Vorgänger ein erstklassiges Japano-Rundentaktik-Rollenspiel. Die Rahmenhandlung kann allerdings zunächst weniger beeindrucken: Magische Steine werden von einem fiesen Imperator zerstört, was das Böse auf der Welt freisetzt. Die Japaner scheinen einen Fetisch für diese Art von Story zu haben, da man sie in leichter Variation, in gefühlsmäßig jedem zweiten Nippon-RPG zu hören bekommt. Trotzdem motiviert die Handlung zum Weiterspielen, was vorallem an den toll designten Charakteren und den guten (aber etwas zu langen) Dialogen liegt.
Selbst der nebensächlichste Rekrut, den man in seine Kampftruppe aufnimmt, hat eine eigene Geschichte zu erzählen.
Auch das Erfahrungssystem ist sehr motivierend, da man, ähnlich wie in Pokemon, seine Helden ab einem bestimmten Level zu einer neuen Klasse upgraden kann. Dabei hat man immer zwei Möglichkeiten zur Auswahl, was die ganze Sache taktisch noch interessanter macht. Mit der Zeit schließt sich ihnen ein bunter (und großer) Haufen von Charakteren an, wobei man mal einen bereits recht starken, mal einen unerfahrenen Recken in seine Reihen aufnimmt. Das ist eine gute Sache, weil es einerseits schön (und auch bitter nötig) ist sich gleich mit einem starken Ritter den Gegnern entgegen zu stellen, es andererseits aber auch sehr spaßig ist sich im Laufe des Spiels aus einem Dorfjungen einen mächtigen Krieger zu züchten.
Auch sonst wirft einem das Programm in einem nahezu verschwenderischen Tempo neue Spielelemente vor die Nase: Hier eine neue praktische Waffe, dort eine neue strategische Rafinesse, dann wieder ein neuer Mitstreiter. So vergeht die relativ umfangreiche Spielzeit wie im Fluge.
In einem Punkt gibt es aber nervige Längen: Wenn ein Charakter stirbt kann man ihn nie wieder einsetzen. Klingt konsequent; da man aber eigentlich keinen seiner mühevoll aufgepeppelten Helden verlieren möchte, fängt man in der Regel die komplette Mission von vorne an, was besonders bei einigen Aufträgen die über 20-30 Minuten dauern extrem an den Nerven zehrt.
Noch schlimmer ist es, wenn man einen seiner besten Helden aufgrund von einem kritischen Treffer kurz vor dem Ende einer sonst sicher gewonnenen Mission verliert (was mir im Spiel mehrmals passiert ist)! In solchen Momenten möchte man am liebsten den GBA sammt Spiel aus dem Fenster weren. Deswegen gibt's von mir auch einen Stern Abzug in der B-Note.
Insgesamt hat sich das Spiel aber locker fünf Sterne verdient. Ich könnte hier noch Stunden weiterschreiben über die spaßig-taktischen Kämpfe, die brillant designten Missionen oder den extrem hohen Wiederspielwert. Ich kann aber auch einfach eine Kaufempfehlung für alle aussprechen die an hoher japanischer Programmierkunst und/oder an Taktik-RPGs interessiert sind. Wenn sie allerdings ein arcade-lastiges Spiel für zwischendurch suchen, sollten sie sich besser für leichtere Kost endscheiden, als für diesen Taktik-RPG-Brocken.