Finstere Orte von Gillian Flynn ist der beste Thriller den ich seit langem gelesen habe.
Kurz zum Inhalt: Es geht um eine Familientragödie, die vor vielen Jahren in Kansas City, Missouri geschehen ist. In einer Nacht verliert die damals sieben jährige Libby Day ihre zwei Schwestern und ihre Mutter auf grausame Weise. Nur durch Glück kann sie sich selbst retten, indem sie aus dem Haus flieht. Unterstützt durch Libbys Aussage geht ihr Bruder Ben als Täter lebenslänglich ins Gefängnis.
Circa 25 Jahre später geht der nun erwachsenen Libby das Geld aus, und sie willigt ein die Vergangenheit, zumindest ein wenig, wieder aufzurollen, und nochmal über Bens Schuld nachzudenken.
Libbys nicht wirklich richtig entwickeltes Sozialverhalten und allgemeine Entwicklung machen die Recherche und den Umgang mit ihr nicht wirklich einfacher. Und wie der Klappentext schon verspricht, so wie damals bringt die Vergangenheit sie wieder in tödliche Gefahr.
Die Aufmachung des Buches ist ganz nach meinem Geschmack, ein nicht zu dünner (über 500 Seiten), schöner Festeinband, mit einem sehr geschmackvollen und geheimnisvoll gestalteten Schutzumschlag. Zur absoluten Perfektion fehlte für mich nur noch das Lesebändchen!
Die Gliederung der Geschichte ist Gillian Flynn sehr gut gelungen, im Wechsel wird aus der Perspektive von Libby Day im Jetzt erzählt und von Patty (Libbys Mutter) und Ben Day in der Vergangenheit um und am Tag der Morde. So wird Stück für Stück aufgedeckt, was in jener Nacht wirklich passiert ist, ohne jedoch zu viel zu verraten. Die Spannung bleibt vom ersten bis zum letzten Kapitel erhalten und der Spannungsbogen ist super aufgebaut, die letzten hundert Seiten musste ich in einem Rutsch weg lesen und konnte das Buch nicht aus der Hand legen (was schon von Anfang an sehr schwer war).
Gillian Flynn hat ihren eigenen Stil (was meiner Meinung nach nicht sehr viele Autoren von sich behaupten können) und schreibt flüssig und trotzdem nachdenklich. Sie kommt ohne allzu blutrünstige Schilderungen aus, und das finde ich sehr befreiend.
Die Charaktere sind sehr liebevoll beschrieben und ich konnte mich wunderbar in sie rein versetzen (selbst in die etwas schwierige Libby), man fühlte richtig mit allen mit, und die wichtigen Personen blieben nicht nur oberflächlich.
Ich habe mir von Anfang an gewünscht, dass Gillian Flynn diese Geschichte mit einem guten, realistischen und befriedigendem Ende versieht, und ich wurde nicht enttäuscht, ihr Roman ist von vorne bis hinten durchdacht und mit viel Liebe konstruiert und das merkt man auch.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich sehr froh bin so eine tolle Autorin entdeckt zu haben, die ihren eigen Stil verfolgt, und das aber so konsequent und liebevoll, dass das Lesen ein Genuss war. Wie schon einleitend gesagt, eines der besten Bücher die ich je gelesen habe!