Nach vielen Jahren im Ausland ein Besuch in der Heimat. Eine vorsichtige, fast scheue Annäherung an einst vertraute Stätten, vertraute Menschen. Erinnerungen werden wach, gemeinsame Erlebnisse vor allem mit der Kindheits- und Jugendfreundin, der dieser Besuch in erster Linie gilt. Die Wiedersehensfreude aber erstickt im Keim: Die alte Enge, der alte Frust, die alten Probleme - und bei aller Gastfreundschaft überall dieser heroische Sarkasmus, diese nüchterne Direktheit ohne Wärme und Takt. Das Land ist immer noch das, aus dem man sich hinausträumt in eine bessere Welt, eine, die bunter und fröhlicher ist. Sein Sinnbild: Der Tango - nicht glutvoll wie in den Bars Argentiniens, sondern schmelzend und schwermütig wie die Seen zwischen dunklen Kiefernwäldern, wie die helle Sommernacht am Strand, wenn die Juhannus-Feuer leuchten. In jeder Zeile, in jedem Wort erkennen wir: Marjaleena Lembcke hat ein Buch über Finnland geschrieben. Das wäre schon lesenswert genug. Aber sie schrieb auch über Träume und was davon bleibt.Und das geht uns alle an - auch wenn wir sie nie gesehen haben, diese strahlenden Augen, freitags im Alko-Laden, wenn man für zwei kurze Tage wieder das Glück des Vergessens gekauft hat.