Ich darf damit angeben, dass ich, lange her, 'Ulysses' viermal gelesen habe - einmal davon deutsch. 'Finnegans Wake' wollte ich mir für die Zeit meiner Pensionierung aufheben, bin jetzt aber entschlossen, auch das zu lassen. Denn häufige Blätterversuche und die Lektüre von reichlich Sekundärliteratur haben mich davon überzeugt, dass Joyce in seinem letzten Buch die Kommunikation mit eventuellen Lesern praktisch abgebrochen hat. Anders gesagt, ich hoffe nicht mehr, dass die unendliche Mühe einer Lektüre sich insgesamt lohnt.
Dennoch: Wenig gegen Joyce - sicher ein ganz bedeutender Schriftsteller. Aber alles gegen die Übersetzung, die ich nicht kenne. Es ist mir unerfindlich, wie ein kluger Kopf wie Herr Stündel sich in so eine Aufgabe verrennen konnte. Man braucht nur ein paar Zeilen vom 'Wake' anzuschauen, um zu sehen, dass man das Buch nicht übersetzen kann. Karl Kraus hat mal den Aphorismus geschrieben: 'Je größer der Stiefel desto größer der Absatz.' Schon dieses einfache Wortspiel (Doppelsinn von 'Stiefel' und 'Absatz') ist etwa im Englischen nicht wiederzugeben. Nun sind aber die Joyce'schen 'puns' oft drei-,vierfach aufgeladen, oft mit Anklängen an andre Sprachen. Wie sollte das zu übersetzen sein? Man könnte höchstens versuchen, ein eigenes Buch auf 'Wake'-Art zu schreiben. Und sowas ist ja wohl die Stündel'sche Übersetzung geworden, jedenfalls 'Kainnäh' Übertragung, wie er selber weiß. Aber warum denn noch ein solches Buch? Ein Versuch dieser Art reicht völlig. Und ich vermute, dass das Original kaum schwerer zu lesen ist als die Übersetzung.
Schade um die Zeit, die Herr Stündel mit diesem Unsinn verbracht hat.