Ja, ja, es mußte soweit kommen. Irgendwer mußte die Cobainsche Lücke schließen. Und wen dieser jemand dann noch aus deutschen Landen kommt, Troisdorf um genau zu sein, kann rein gar nichts mehr schief gehen. Scumbuckets dritter Longplayer ist da - und ein Monster der Sentimentalität frißt und frißt und frißt sich wieder mal in die Ohren der Zuhörer. Seine Zähne allerdings sind mit neuem Zahngold verziert und sein Mund speit 15 morbide Liebeslieder heraus, die anmuten, als habe unser aller Kurt zusammen mit JDs Ian Curtis derart viel geraucht, dass es mehr logische Konsequenz als alles andere war, formschöne Songs für den Sommer, den Herbst und den Winter zugleich zu schreiben. Mit „Finistra" präsentieren Kurt Ebelhäuser (Blackmail) an der Gitarre und Guido Lucas (Produzent und 'bluNoise'-Labelboss) am Bass Gefühl und Psychedelic mit neuem Drill. Was sie als Musik über den Dingen schweben lassen, erinnert entfernt an von den Toten auferstandene Nirvana, die gemeinsam mit ihren Leidensgenossen von Joy Division eine Ode an sich selbst abliefern. Schmusesongs also, so deprimierend und doch formschön und wohlfeil arrangiert, das zuweilen der bitterböse Sound jede dahingesiechte Beziehungskiste aufreißt. Elektronische Loops und Soundtüfteleien wirken angenehm störend und doch zugleich ungemein sinnlich vertiefend. Ob nun bei Popsongs wie „By The Way", die man nie wieder vergessen wird oder während melancholischer Oden an den Sixties-Pop. Man genieße vielleicht zu allererst das unglaubliche „Paranoid Skin", eins der gefühlvollsten Klanggemälde das sich der Roadmovie Leben nur vorstellen kann. Ganz groß, das.