Dass die Stephanie-Plum-Reihe in den letzten Jahren eingeschlafen ist, darüber dürften sich die meisten treuen Anhänger einig sein. Nach einem katastrophalen 13. Band (den ich am Ende nur noch genervt überflogen habe) konnte sich Evanovich meiner Ansicht nach mit "Fearless Fourteen" wieder deutlich steigern - und auch "Finger Lickin' Fifteen" ist ein Lesevergnügen, dass an die "guten alten Zeiten" erinnern lässt. Um es mal klar zu sagen: Jeder weiß, dass wir mit Plum & Co. kein Shakespeare, Poe, Rushdie oder so serviert bekommen. Das oberflächliche Niveau ist Absicht - nur manchmal sehen wir es auch als genauso an.
Natürlich gibt es auch im 15. Band nichts Neues: Das Liebesdreieck Stephanie-Morelli-Ranger wird nicht aufgelöst (und zum Glück auch nicht intensiv behandelt), die Sprache wird nicht komplexer, die Handlung nicht philosophisch. Aber: Es macht wieder Spaß, aus Stephanies völlig chaotischem Leben zu lesen.
Am meisten freut es mich, dass in FL15 Lula so hervorgehoben wird. "The former 'ho" war bisher stets für Slapstick-Einlagen zuständig, wenn es darum ging, FTAs zu schnappen und hatte dann in den letzten Kapiteln bei der Auflösung des Mainplots wenig bis nichts zu tun. Das ändert sich jetzt: Lula ist Zeugin einer Enthauptung und entwickelt mit Grandma Mazur eine Affinität fürs Kochen (freilich sind beide, wie auch Stephanie, auf diesem Gebiet vollkommen talentfrei). Stephanie arbeitet nach einigen Bänden Pause mal wieder für Ranger und soll herausfinden, wer in die Villen seiner Klienten einbricht.
Es bleibt zu hoffen, dass Evanovich für nächstes Jahr ähnlich Amüsantes und Kurzweiliges zusammenschustert. Und vielleicht wagt sie sich endlich mal an sowas wie Charakterweiterentwicklung!