Zwei Jahre nach ihrem ersten Geniestreich, erschufen Common und Kanye West 2007 mit "Finding Forever" ein Werk, das in meinen Augen das absolut großartige "Be" noch mal um ein Bisschen übertrifft. Das Konzept blieb ungefähr das selbe, nur etwas weiterentwickelt und verbessert, was man besonders daran merkt, dass Kanye noch mehr gesamplet hat, ohne dass man es eigentlich merkt, sondern traumhafte Instrumentals dabei herauskamen. Außer ihm produzierten noch will.i.am, J Dilla und Devo Springteen hier mit. Common's Stimme und Flow passen wieder einmal perfekt dazu und auch die Gäste um Lily Allen, Bilal, Dwele, D'Angelo und Lonnie Lynn fügen sich klasse ein.
Auch "Finding Forever" beginnt wie "Be" eher entspannt und zwar mit "Start The Show". Mittelschnelle Beats treffen auf eine lockere, frühlingshafte Melodie und auch ein paar eher elektrische Klänge, was die wohl größte Entwicklung zum Vorgänger ist. Common hier zuzuhören ist wieder einmal ein Traum, auch Kanye's Refrain, in dem er mit einer Art verzerrten Telefonstimme rappt und dabei von mystischen Frauengesängen begleitet wird, passt gut dazu. "The People" wäre von der etwas schnelleren Sorte, kommt durch seine Akustikinstrumente wie Cello und Klarinetten sowie den butterweichen Gesang von Detroit's Dwele aber auch sehr chillig daher und ist wieder mal so ein Song, der einfach nur Spaß macht. Über den Auftritt von England's Popsternchen Lily Allen war ich zunächst etwas überrascht, gleichzeitig auch sehr erfreut, denn ich mag sie wirklich gerne. Zusammen mit Common performt sie auf "Drivin' Me Wild", einem eher entspannten Lied, dass durch die abgefahrenen Hintergrundgeräusche und Common's hungrigen Flow jedoch sehr an Dynamik gewinnt, dazu von einem wunderschönen Hook Lilys vollendet wird. Nach all diesen Produktionen darf sich nun mal will.i.am mit "I Want You" versuchen. Sein Beat ist eher schlicht, versprüht das Feeling eines sommerlichen Lovesongs, was auch gut zur Message passt. Verfeinert wird das Ganze von immer mal wieder einsetzenden Synthies und will's Refrain mit seiner kratzigen Stimme. Wieder einmal großartig. Beim Beginn von "Southside" denkt man zunächst: "Was ist denn das für eine ruhige Nummer?", doch kaum ist man fertig damit, setzen auch schon gleich die krachenden E-Gitarrenriffs des Songs zum Einsatz, die diesen Gedanken sofort wieder verwerfen. Insgesamt eine Nummer, die ordentlich Abwechslung bringt und die Meister Common und Kanye in Bestform zeigt, allerdings sind mir ihre Lyrics etwas zu hochnäsig. Eine echte Bombe wird mit "The Game" gezündet. Der Beat ist einfach nur genial, klingt nach feinstem New Yorker Underground und geht einfach nur richtig gut ab, dazu kommen wahnsinns Scratches vom DJ-Gott höchstpersönlich: DJ Premier. Ein Routinier wie Common weiß natürlich wie er mit einer solchen Vorlage umgehen muss und spittet zuverlässig seine Reime. "U, Black Maybe" (feat. Bilal) und "So Far To Go" (feat. D'Angelo) zeigen uns wieder die entspannte, melodische und auch sehr soulige Seite von "Finding Forever", wissen wirklich zu gefallen und fügen sich gekonnt in das Gesamtbild ein. Auch "Break My Heart" geht in diese Richtung, ist allerdings als einziger Track vom Beat her etwas misslungen, wird jedoch von dem relaxten Refrain noch einmal aufgefangen und ist daher zweifelsohne hörbar. Passend zum nun immer näher rückenden Ende der Platte kommen mit "Misunderstood" und "Forever Begins" zwei echte Meisterwerke. Erstes ist eine eher bedrückende Nummer, die eine tolle dunkle Atmosphäre versprüht ohne düster oder böse zu wirken. Common rhymt passend dazu etwas ruhiger und einfach gut, Highlight des Liedes ist jedoch eindeutig der Hook von Bilal, der dazu den Welthit "Don't Let Me Be Misunderstood" von Nina Simone covert - einfach großartig! Der mit "Forever Begins" letzte Track ist schlicht und einfach gesagt Traumhaft und meiner Meinung nach auch das Beste, was "Finding Forever" zu bieten hat. Sein Instrumental das aus einer emotionalen Pianomelodie und ein paar Armeetrommeln besteht geht schon alleine unter die Haut, doch es wird durch Common, der hier wieder alles gibt, Feature Lonnie Lynn mit dem unbeschreiblichen Refrain und den Samples von Syreeta's "She's Leaving Home" zum absoluten Ohrenschmaus, von dem man eigentlich gar nicht genug bekommen kann. Ein perfektes Ende für ein perfektes Album.
"Finding Forever" ist für mich noch besser als "Be", da abwechslungsreicher und vielleicht auch etwas professioneller. Die Instrumentals erstrecken sich von gut bis göttlich, Common ist eh wieder eine Klasse für sich, die nur die wenigsten erreichen. Er und Kanye haben bewiesen, dass sie einfach gute Musik machen, die Herz und Seele erfrischt und begeistert und auch auf geistiger Ebene einiges bietet. Wollen wir hoffen, dass es mit G.O.O.D. Music so weitergeht.