Endlich also das neue Studioalbum von Seether - lange erwartet von Fans, kann "Finding Beauty in Negative Spaces" die Erwartungen durchaus erfüllen (zumindest bei mir).
Zunächst ist der Albumtitel schon einmal herausstechend. Bei all den "negative spaces", die die Band in den letzten Monaten zu bewältigen hatte (Shaun Morgan's Reha-Aufenthalt, der Ausstieg von Pat Callahan, der Selbstmord von Morgan's Bruder etc.), ist es schön und bewunderndswert zu sehen, dass die Jungs trotzdem eine positive Message rüberbringen.
Der Einstieg mit "Like Suicide" bringt genau, was der geneigte Seether-Hörer erwarten kann - stellenweise recht heftig und ein Shaun Morgan in Topform. Die erste Single "Fake It" dagegen ist etwas banduntypisch: wahnsinnig eingängig, jazzig und mit einem Refrain, der so schnell nicht aus dem Kopf verschwindet. Weiter geht es mit "Breakdown" und "FMLYHM", zwei typische Seether-Nummern, wie sie im Buche stehen. "Fallen" fällt durch eine tolle Bass-Linie und schweren Gitarren auf, während "Rise Above This" für Seether-Verhältnisse etwas zu poppig geraten ist - kein Wunder, dass der Song als nächste Single bestimmt wurde.
Mit "No Jesus Christ" folgt der Höhepunkt der Scheibe - der bislang längste und experimentiellste Song der Bandgeschichte. Rhythmuswechsel, Bass-Loops und tolle Gitarrenriffs sorgen für aufregende sieben Minuten, für die wohl Tool gehörig Einfluss hatten. Mit "6 Gun Quota" folgt daraufhin wieder ein "typischer" Seether-Song mit starkem Text und eingängigem Refrain. "Walk Away From The Sun" und "Eyes Of The Devil" schlagen dagegen teils neue Wege ein - so wäre die Verwendung eines Pianos ("Walk Away From The Sun") auf früheren Platten wohl kaum denkbar gewesen, auch mit Dynamikelementen wird experimentiert. "Don't Believe" ist stimmungsmäßig ähnlich düster wie "No Jesus Christ" gehalten und wächst langsam zu einem Ohrwurm heran. Der Abschluss, "Waste", ist leider nur Durchschnitt.
Im Vergleich zu früheren Alben gehen die Südafrikaner diesmal deutlich abwechslungsreicher zur Sache, ohne an Niveau zu verlieren. Positiv ausgewirkt hat sich auch der Abgang von Gitarrist Pat Callahan, davon profitieren Bassist Dale Stewart und Drummer John Humphrey merklich. Wurde Stewart beim Vorgänger "Karma & Effect" noch oft unter die Gitarren gemischt, kann er diesmal Akzente setzen ("Fake It", "Fallen", "No Jesus Christ"). Humphrey klang ebenfalls nie besser als auf dem neuen Album ("Eyes Of The Devil", "6 Gun Quota"). Shaun Morgan hat stimmlich diesmal offenbar versucht, nicht mehr ganz so rauh zu klingen wie auf vorherigen Alben, was an mancher Stelle passend ist, in anderen Passagen eher weniger. Die Texte sind wie eh und je überdurchschnittlich gelungen - meist recht düster und depressiv, aber mit Inhalt und Tiefgang.
Am klaren Klassenziel, nämlich "Disclaimer" und "Karma & Effect" im Fahrtwind stehen zu lassen und zum mit Abstand besten Seether-Album zu werden, scheitert "Finding Beauty in Negative Spaces" lediglich an der Überproduktion. Songs wie "Like Suicide" hätte eine etwas rohere Produktion sicher nicht geschadet. Wen das nicht stört, bekommt eine mehr als solide und abwechslungsreiche Platte ohne größerem Ausfall (höchstens "Rise Above This").
Anspieltipps: No Jesus Christ, 6 Gun Quota, Walk Away From The Sun, Eyes Of The Devil, Fake It