Zu dem Zeitpunkt, als ich auf dieses Buch stieß, war ich gerade auf der Suche nach Literatur, die sich auf Geschlechter- sowie sexuelle Orientierung bezieht. Der Klappentext sprach mich sofort an, erschien mir die Handlung originell und interessant.
Als ich das Buch schlussendlich in den Händen hielt, konnte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen und las es gleich drei Mal hintereinander, um jede Szene voll und ganz und aus jedem Blickwinkel auskosten zu können.
Die Handlung beginnt bei Tobias, einem gewöhnlichen Jungen aus der Klasse, dessen Eltern geschieden sind. Seine Mutter schlägt sich mehr schlecht als recht in einem Job als Kosmetikerin durch, sein Vater verbringt die Zeit mit der zwanzig Jahre jüngeren neuen Flamme, die Tobias auf den Tod nicht leiden kann. Dieser kann sein Glück gar nicht fassen , als die neue Mitschülerin Ira, die die Blicke aller männlichen Klassenkollegen im Bann hält, sich gerade mit ihm verabredet. Ira ist witzig, frech, anders- nicht zuletzt, da sie verschiedene außergewöhnliche Perücken trägt und Tobias zu keinem Zeitpunkt ihre wahre Haarfarbe herausfinden kann. Auf Wolke 7 gelandet, kann Tobias sich nichts Besseres vorstellen, als mit Ira seine Zeit zu verbringen-
bis er in einem nahezu magischen Moment ein Mädchen in Iras Wohnzimmer beim Cellospielen beobachtet. Der einzige Haken an der Sache ist, dass das wunderschöne dunkelhaarige Wesen Iras älterer Bruder Alex ist. Versucht Tobias auch, die Sache von der witzigen Seite zu sehen, lässt ihn Alex' atemberaubender Anblick einfach nicht mehr los, und neben ihrem älteren Bruder wirkt die coole Ira plötzlich ausgesprochen kindisch und lächerlich auf Tobias.
Er selbst wird nun in seiner Umgebung mit dem Thema Homo- und Transsexualität insofern konfrontiert, dass er in seinem Praktikum bei seiner Mutter einen Mann begegnet, der sein Geld als Travestiekünstler (ein Mann, der sich als Frau verkleidet) verdient und trotzdem Frau und Kinder hat, und dass sein bester Freund auf einer Party intim mit einem Klassenkollegen wird. Hinzu kommt, dass er einerseits verrückt nach Ira ist und vor Eifersucht fast vergeht, als er bemerkt, dass sie noch viel für ihren Exfreund empfindet, andererseits aber immer öfter an Alex' anmutige Erscheinung denken muss.. gut, dass er in der Arbeitskollegin seiner Mutter eine Freundin gefunden hat, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht!
Stilistisch ist der Text einfach und in einem lebendigen Stil gehalten, er stützt sich auf die Jugendsprache, die nicht viele Fremdworte verwendet, dafür immer wieder englische Zeilen, auch Zitate aus Songs, einstreut. Klingt die Handlung auch rasant und aus der Luft gegriffen, werden die einzelnen Schritte zärtlich und zögernd gesetzt, und es wirkt wie ein vorsichtiges Herantasten und ein Finden seiner Selbst, was sich sowohl auf Tobias, dessen Mutter, seinen besten Freund und auch auf Alex bezieht, an denen man gegen Ende eine Weiterentwicklung bemerkt.
Einfühlsam konfrontiert das Buch mit Themen wie Transsexualität, Homosexualität, Liebe, Toleranz und Freundschaft.