"Finanzcrash" ist das beste Sachbuch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe; fast ein Wirtschaftskrimi, mit dem Leser als unfreiwilligem "Helden" in den diversen Katastrophenszenarien, in die ich mich nur allzu gut hineinversetzen konnte. Andererseits: Greifen wir nicht mehr oder weniger unbewusst immer zu denjenigen Sachbüchern, die unsere eigene Meinung vertreten bzw. dieser weitestgehend entgegenkommen?!
Da das Buch hier bei Amazon sehr kontrovers diskutiert wurde, einige Anmerkungen zu meinen Vorgänger-Rezensenten:
1. Überschneidungen mit anderen Büchern zum Thema:
Hier wird ein Sachthema abgehandelt, und daraus ergeben sich notwendigerweise Parallelen zu Büchern mit ähnlichen Titeln/Themen. Ich habe bereits Bücher von Max Otte und Wolfgang Köhler zum Crash gelesen bzw. als Hörbuch genossen, daher sind mir die finanziellen Aspekte des Themas auch nicht neu. Es ist aber Spannbauers Verdienst, konkrete Tipps für die Zeit nach dem Crash gegeben zu haben, und das nicht nur für die finanzielle Seite, sondern für den ganz normalen Alltag, in dem der persönliche "worst case" vermieden werden sollte. Den Finanzcrash, die Globalisierung, die Immobilienkrise usw. kann der einzelne Mensch nicht verhindern, wohl aber ggf. darauf hinarbeiten, dass ihn manche (wenn auch bisher nur vermuteten) Folgen der Krise weniger hart treffen.
2. Positives Denken vs. Weltuntergangsszenario:
Ich habe schon öfter mit meinen Eltern (80 Jahre) über Geldentwertung und andere unschöne Themen des 20. Jahrhunderts gesprochen. Viele Leute scheinen sich heute dennoch, auch angesichts von Staatsverschuldung und Finanzkrise, so etwas Negatives nicht vorstellen zu können oder zu wollen: Kanzlerin Merkel hat doch gesagt, die Sparguthaben sind sicher' Dann kann uns ja nichts mehr passieren!
Ich wachte auf, als mir Ende 2008 meine fondsbasierte Lebensversicherung mitteilte, dass der Wert um einen fünfstelligen Betrag gesunken war. Seither wünsche ich mir, mehr in z.B. Edelmetalle etc. investiert zu haben. Geldscheine, Aktien, Kontoauszüge sind im Falle eines Falles nur papierene Hoffnungen darauf, dass irgendwann irgendjemand dafür einen möglichst hohen Gegenwert herausrücken wird, und nicht mehr.
3. Realistische vs. unrealistische Tipps:
Klar, nicht jeder hat Geld oder Platz (Vorratshaltung!) genug, alle Tipps zu befolgen. Aber die meisten Ratschläge sind nachvollziehbar (Ausnahme: Geld/Gold im heimischen Garten verbuddeln, anstatt es im Schließfach der Bank zu belassen, weil man da vielleicht irgendwann nicht mehr rankommt). Was hindert den Durchschnittsbürger z.B. an Hamsterkäufen von haltbaren Lebensmitteln für Notfälle, die er vielleicht im Laufe des nächsten halben Jahres sowieso gekauft hätte, und an deren Verbrauch und Nachkauf je nach Verfallsdatum?
Und zum Thema Sicherheit: Der Erwerb körperlicher Fitness und einer (legalen) Waffe, wie hier vorgeschlagen, erscheint ja angesichts der zunehmenden Brutalisierung auf den deutschen Straßen nicht nur angesichts eines möglichen Katastrophenszenarios notwendig.
4. Stil des Autors und seine "Absichten":
Ich empfand den Stil als flüssig, klar und direkt sowie dem Thema angemessen. Mir ist aber auch bei einem Sachthema (anders als bei Romanen) gleichgültig, ob der Buchautor (oder jemand, der mir über das Thema etwas erzählt) Akademiker, Arbeiter, arbeitslos, Scientologe usw. usw. ist. Es kommt meines Erachtens darauf an, ob er die Fakten plausibel zu mir herüberbringen kann. Und das hat Spannbauer getan. Dass er eine Weltuntergangsstimmung hervorrufen will, damit die Leute in seinem Internet-Shop etwas kaufen, halte ich für weit hergeholt; man könnte die vorgeschlagenen Materialien ja auch an vielen anderen Orten bekommen.
Aber so manche alte Oma will ja lieber gute Nachrichten vom lieben, freundlichen "Bankbeamten" oder Versicherungsvertreter mit Anzug und Krawatte hören, getreu dem Motto: Alles wird gut.
Fazit: Einige unangenehme, aber notwendige Wahrheiten, viele nützliche Tipps, solide dargestellt.