These: Die Tragödie der meisten Remixplatten besteht oft darin, dass in der Regel technisch gut ausgestattete, musikalisch aber oft minderbemittelte, selbstdarstellungssüchtige Szene-DJs oder Tonstudiofuzzis an einem Song so lange herumfuhrwerken, bis ihm der letzte Rest Seele ausgetrieben worden ist. Die Krupps haben sich gedacht: Es gibt doch aber Musiker, die auch gerne mal ein bissel basteln, weil: die haben oft nicht so viel zu tun. Also wurden diverse Freunde und Bekannte angehauen, Kollegen eben. Die Liste der Beteiligten liest sich wie ein Who is who: Mitglieder von den Revolting Cocks und Paradise Lost, Sisters of Mercy und Cassandra Complex, Waltari, den Neubauten, Clawfinger, NIN, Carcass, Pro-Pain und KMFDM sagten - als z.T. langjährige Krupps-Fans - begeistert zu. Und nun kommt die große Überraschung: Es ist tatsächlich allen gelungen, den Krupps-Songs ihren persönlichen Stempel aufzudrücken, wobei gleich dazu gesagt werden muss, dass das mit gemischten Gefühlen verbunden ist. Andrew Eldritch zeigt den größten Respekt vor dem Industrialpack aus Düsseldorf/Austin. Vor seinem „Fatherland" braucht niemand Angst zu haben, am wenigsten die Krupps selbst (auch wenn der Song mit einigen Samples aus diversen Goebbels- und Hitler-Reden unterlegt ist, was ihm, zusammen mit der Ohrwurmmelodie, eine leicht subversive Note verleiht). Charlie Clouser geht mit „Language of Reality" schon deftiger zur Sache und verformt Jürgen Englers Stimme gekonnt zur Unkenntlichkeit. Passt hervorragend zum Text, gut gesehen, gut gemacht. Falls es noch eines Beweises bedurfte: Waltari zeigen endgültig, dass die Finnen zwar spinnen, aber keine schlechten Menschen sein können. „The Dawning of Doom" kommt so fröhlich rüber, dass man hofft, die Party namens Apokalypse möge nie zu Ende gehen. In Luc van Ackers „Paradise of Sin" liefern sich die Metal-Boliden ein Höllenrennen der Extraklasse, FM Einheit dekonstruiert „New Temptation" zu einer bitteren Abrechnung mit deutscher Geschichte, Jim Martin gelingt mit „Crossfire" das extrem kraftvolle Highlight. Der Rest ist mehr oder weniger belanglos, aber immerhin: a bissel was geht schon bei dem Versuch, Musiker Musik interpretieren zu lassen.