Liest man sich den Begleittext des Komponisten Elliot Goldenthal im Soundtrackalbum von „Final Fantasy" durch, so kann man erahnen, dass auch er befürchtete, den Zuschauern könnte durch die digitalen "Darsteller" der emotionale Zugang zum Werk verwährt bleiben. Als „essenzielles dramaturgisches Bedürfnis" des Film sah er deshalb „Menschlichkeit in jedem erdenklichen Sinne".
Die Menschlichkeit des Filmes zu betonen, dafür war Goldenthal als Filmkomponist zumindest eine ungewöhnliche Wahl. Er hatte sich zwar zuvor einen hochdekorierten Namen in der Filmmusikbranche gemacht, doch vor allem für seine kühlen Werke zu Horrorfilmen wie „Alien³" oder „Sphere". An deren rar gesäte tonale Passagen sollte er sich bei „Final Fantasy" jedoch weitestgehend anlehnen, doch Näheres dazu an späterer Stelle.
Tatsächlich ist zunächst einmal festzustellen, dass die Musik trotz eines starken, fast apokalyptisch zu nennenden Grundtons für Goldenthals Verhältnisse nicht unbedingt melodisch, aber doch recht gefällig ist. Dies sei in Anbetracht des herben Stils des Komponisten natürlich mit aller Vorsicht gesagt. Auch hier nämlich bleibt dieser seiner bisherigen Linie treu.
Goldenthal arbeitet weitestgehend leitmotivisch und tonmalerisch, beschränkt sich mit Dissonanzen auf die Horrorelemente des Films und verleiht den fantastischen und z.T. ins Spirituelle gehenden Ereignissen des Films einen zwar recht düster-melancholischen, aber doch spätromantisch tonalen Charakter.
Als Einflüsse nennt der Komponist im Text den späten Richard Strauss, für die herberen Horrorpassagen die polnische Avantgarde. Damit steckt er recht gut den Rahmen ab, in dem sich seine Partitur bewegt, besonders der Einfluss der „Vier letzten Lieder", die Strauss seinerzeit für ein großes Orchester und Frauenstimme komponierte, lässt sich konzeptionell nicht von der Hand weisen („The Kiss"). Was die polnische Avantgarde angeht, so sei hier als vages Vorbild Penderecki genannt und als Mittler zwischen beiden musikalischen Welten noch der Ungar Bela Bartók, doch bei näherem Hinhören verstärkt sich der Eindruck, dass alle diese Vorbilder lediglich als Leitfaden dienten. Denn selbst wenn man in Goldenthals Diskographie gerade Richard Strauss des Öfteren begegnet oder auch Richard Wagner, dem Tonmaler schlechthin, so hat der Komponist über die Jahre hin doch einen im Vergleich zu vielen anderen Filmkomponisten sehr ausgeprägten Personalstil entwickelt bzw. beibehalten, dem er auch bei inzwischen routinemäßig Anmutendem interessante Variationen abgewinnt. Die Eingangspassage aus „Code Red" z.B. ruft zuallererst „Alien³" oder aber auch „Sphere" in den Sinn und auch die melodischen Stellen sind zumeist von Goldenthals vorherigen Werken angeregt.
Neben erwähnten Scores zu „Alien³ und Sphere", von deren tonalen Höhepunkten sich Goldenthal hierbei inspirieren lässt, erklingt auch Bekanntes aus den teils als liebevolle Strauss- und Wagnerhommage zu verstehenden „Batman"-Musiken des Komponisten. Elektronik setzt dieser angesichts der Science-Fiction-Geschichte zwar häufiger, aber dezent und sinnvoll ein. Ziel war es offensichtlich, dem Orchester die Melodieführung zu überlassen und synthetische Laute subtil in die rhythmusgebende Perkussion einzuarbeiten bzw. ihnen einen fast geräuschähnlichen Charakter zu verleihen. Das ist dem Komponisten hervorragend gelungen und hält in der Form auch durchaus einige Überraschungen bereit, so z.B. in „Code Red", „Toccata and Dreamsacpes" oder „Dead Rain". Leitmotivisch ist die Musik straff organisiert, die wenigen Themen und Signaturen sind allerdings sehr griffig. Es gibt ein düster-fanfarenartiges Haupt- und ein perkussives Nebenmotiv für die vermeidlichen „Bad Guys" des Filmes, die sogenannten „Phantome" („The Spirits Within", „Winged Serpent"), sowie ein wehmütig-romantisches Thema für die Protagonistin Aki Ross, dass auch ihre Liebesbeziehung zu Captain Gray Edwards musikalisch versinnbildlicht („The Kiss"). Dieses Thema kann als melodischer Kerngedanke der Partitur angesehen werden und entwickelt besonders im finalen „Adagio und Transfiguration", vom ganzen Orchester gespielt, eine unheimliche dramatische Kraft. Daneben stellt Goldenthal in „Race to Old New York" ein weiteres, eher actionorientiertes Thema vor, das im Score ebenfalls häufiger Verwendung findet.
Dem Endzeitszenario des Films trägt Goldenthal natürlich bereits im dunklen Grundduktus der Musik Rechnung, besonders hervorzuheben sind hier jedoch „The Spirit Within" und „Zeus Cannon". Besonders letzterer beeindruckt dabei durch sein apokalyptisches Finale.
Von den atonalen Passagen sticht besonders der furiose Track „Toccata and Dreamscapes" hervor, der für achteinhalb Minuten die Invasion New Yorks durch die „Phantome" auf die heimischen Lautsprecher transportiert und dabei der Musik zu „Alien³" in nichts nachsteht. Das fein strukturierte Stück, das sich - auch durch die geschickt eingearbeiteten, teilweise an eine raffinierte Klangcollage erinnernden Synthesizerlaute - raffiniert ausgestaltet bis zum schauerlichen Höhepunkt steigert, bezeugt auch, dass bei der Wahl des Orchesters Weisheit vor Geiz stand. Denn nicht zuletzt durch die hervorragende Darbietung des London Symphony Orchestra in Verbindung mit den London Voices ist der Track vielleicht das Highlight der mit 48 Minuten Score-Anteil gut bestückten Soundtrack-CD von Sony.
An sich sei der Tonträger aber besonders denen ans Herz gelegt, die bisher wenig von Goldenthals Musik kennen, denn er stellt einen sehr guten Querschnitt durch die hoch interessante musikalische Welt des Komponisten dar. Und da dieser hier nicht immer nur herb nach vorne prescht, sondern auch Raum für gefällig-melodische, zuweilen fast elegische Momente lässt, macht die CD zudem noch gut durchhörbar, ohne das musikalische Programm zu verflachen. Das verleiht ihr fast den Charakter eines Best-Of-Samplers, der alle Facetten von Goldenthals Können musikdramatisch in einem Guss vorstellt.
Im Anschluss an den Scoreteil werden dem Hörer noch zwei Lieder von höchst unterschiedlicher Qualität präsentiert. Während „The Dream Within" noch auf einem Arrangement des Aki-Themas von Goldenthal basiert und von Lara Fabian gut vorgetragen wird, muss sich „Spirit Dreams inside" von der Gruppe „L'arc-en-Ciel" doch einige harsche Kritik gefallen lassen, zum einen weil es als Rocksong an sich schon vollkommen aus dem sonst sehr homogenen Gesamtbild der CD fällt (diese Kritik gilt eher den Produzenten des Albums) und zum anderen, weil es für sich betrachtet abgesehen von einer gehörigen Dosis Lärm wenig Substanz vorzuweisen hat.
Fazit: Dass Elliot Goldenthals Musik zu "Final Fantasy: Die Mächte" in dir nicht ganz die hohe Qualität von Werken wie „Michael Collins" oder „Alien³" erreicht, sollte kaum jemanden stören. Das Gebotene reicht trotz des gemilderten Innovationsfaktors immer noch für verdiente 5 Punkte aus und ist wegen seines repräsentativen Charakters für den Anfang sogar den ein stückweit besseren, aber schwerer zugänglichen Horrormusiken des Komponisten vorzuziehen. Einen besseren Einstieg in Goldenthals Musik als dieses immer noch sehr gut erhältliche, klangtechnisch prächtige Sony-Album wird man also kaum finden.