Nachdem sich der Haupt Verlag als einer der ersten Verlage mit der neu belebten Technik des Handfilzens hervorgetan hat, war jetzt erneut ein ansprechendes Buch zu erwarten, das Tipps und Ideen für den Praktiker parat hielt. Zentrales Thema dieses Buches ist jedoch weniger die Vermittlung von Filztechniken für die Arbeit an Schulen und Hochschulen. Marlène Lang widmet sich schwerpunktmäßig der Betrachtung historischer und gegenwärtig produzierter Filzprodukte im zentralasiatischen Raum. In der Mongolei und Türkei, in Turkmenistan und Kirgistan werden Kleidungsstücke, Behausungen, Decken und Teppiche traditionell in überlieferten Musterungen, Farben und Formen aus Schafwollfasern gefilzt. Bis heute bedient sich das Handwerk althergebrachten Techniken und traditionellen Geräten.
Filzschaffende hierzulande lehnen sich bei der Filzherstellung diesen uralten Techniken an, verändern sie und entwickeln daraus Neues, wie der Galerieteil mitteleuropäischer Filzkünstlerinnen zeigt. Während in Europa das Filzen im Kunsthandwerk einen Boom erlebt und in den Lehrplänen Einzug hält, erlebt die professionelle Filzherstellung in ihren Ursprungsländern aufgrund veränderter Lebens- und Produktionsverhältnisse einen bedrohlichen Rückgang.
Die Autorin wünscht sich eine Verzahnung dieser gegenläufigen Tendenzen. Sie hat die Vision, dass wir filzenden Europäer uns weiterhin das Wissen und die Erfahrung der Filzhandwerker in Kleinasien aneignen und uns mit ihr auseinandersetzen, um im Gegenzug diese Tradition vor dem Untergang zu bewahren, indem wir ihnen neue Impulse für ein verändertes Design und zeitgemäße Produkte geben. Das Buch berichtet ausführlich von bereits existierenden Projekten in Konya. Mit diesem Anliegen wird verständlich, warum die Autorin die ausführliche Filzteppichproduktion aus Asien ausgefallenen, skurilen Filzobjekten aus Europa gegenüber stellt. Praxistipps für die Umsetzung kleiner Objekte machen sich sehr rar, da wirkt die ausführliche Beschreibung eines kleines Filztäschchen etwas verloren....