Die Geschichte beginnt mit einem Traum - alle lieben den hübschen, kleinen Kater, der wie ein Sonnenkönig durch die Straßen des südfranzösischen (fiktiven?) Städtchens Beaulieu streift. Doch das Erwachen kommt schnell. Straßenkatzen haben es nicht leicht. Von den Menschen als lästiges Übel betrachtet, von ihresgleichen gejagt, vertrieben, grausamen Revierkämpfen augesetzt. Filou hat nicht viel Zeit, erwachsen zu werden. Seine Kindheit verbringt er als Waise, früh dazu verdammt, nicht nur sich, sondern auch das Stiefmuttermonster Lucrezia zu ernähren. Der Ausflug in die Welt der Menschen stellt ihn vor die vielleicht größte Herausforderung: Ein warmes Plätzchen am Kamin in sicherer Hätschelhaltung, oder doch das Leben auf der Straße? Wie Filou sich entscheidet, wird an dieser Stelle nicht verraten. Es ist eine kleine Parabel und ein Hohelied auf die, die sich durchschlagen müssen, ohne auszuteilen. Die dünnhäutig sind und trotzdem kein dickes Fell wollen, das sie unempfindlich macht für die Nöte ihrer Nächsten. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden, das in dieser Welt mehr bedeutet als Beute zu schlagen. "Filou" ist eine Kamingeschichte, die man bei knisterndem Feuer liest und bei der man sich freut, im Warmen sitzen zu dürfen, denn Sophie Winter beschreibt die Lebens- und Gefühlswelt dieser Straßenkatzen so einfühlsam, als wäre sie selbst mit vier Pfoten auf Wanderschaft gewesen. Und so ist Filou kein Gesellen-, sondern ein kleines Meisterstück im rätselhaften Dschungel der Katzenliteratur, das mit meisterhafter Sprache und liebevollem Einfühlungsvermögen den Leser durch die Seiten huschen und ihn sich wünschen lässt, es gäbe bald, ganz bald eine Fortsetzung.