So sagt es Georg Seeßlen am Ende der jüngst erschienenen erweiterten Neuausgabe seines Buches über den Western, und damit scheint er recht zu haben, denn noch immer bringt dieses anscheinend unsterbliche Genre neue Filme hervor.
Dieser Produktivität Rechnung tragend, hat Seeßlen sein Standardwerk - das ich vergangenen Mai ja schon rezensiert habe - um ein neues Kapitel ("2001-2011: Open Ranges") erweitert, in dem er alle wichtigen (und weniger wichtigen) Western der vergangenen Dekade bespricht, freilich nicht immer sehr ausführlich. Da auch mittlerweile der Western in der Postmoderne angekommen ist, scheint es unmöglich geworden zu sein, einen gemeinsamen Nenner für diese neuen Beiträge zu finden, und Seeßlen bemerkt, daß sich viele dieser Filme in erster Linie am Prinzip "A story is a story is a story" orientieren, und doch bietet er im Verlaufe des jüngsten Kapitels einige Kategorisierungsmöglichkeiten an.
Er sinniert zudem wieder über den Grund für den relativen Niedergang des Westerns, wenn er etwa sagt: "Nein, STAR WARS allein hätte den Western allenfalls aus dem Kinderprogrammen vertreiben können. Was tiefer wirkte war das Auseinanderbrechen einer nationalen und einer universalen Erzählung, von Story und History. Amerika und die Welt schien sich als Western nicht mehr erzählen zu lassen (vielleicht gerade deswegen, weil es besonders törichte amerikanische Präsidenten in ihrer politischen Rhetorik doch versuchten)."
Neben neoklassischen Western wie "Appaloosa" (2008) und "Open Range" (2003) behandelt er auch neue revisionistische Filme wie "Brokeback Mountain" (2005) oder "Bury My Heart at Wounded Knee" (2007) oder auch das in der Tradition Peckinpahs stehende Juwel "Three Burials" (2005). Auch den Horror-Trash-Western wird ein eigener Abschnitt gewidmet, wobei Seeßlen besonders auf Romeros "Survival of the Dead" (2009) eingeht, dem er einige recht interessante Einsichten abgewinnt.
Alles in allem ist Seeßlen hier eine ordentliche Aktualisierung seines Standardwerkes gelungen, wenngleich auch hier das Lektorat hätte sorgfältiger vorgehen und alte Druck- und andere Fehler ausbügeln müssen. Statt dessen ist auch das neue Kapitel nicht ohne Fehler; so wird John Cusacks Antagonist in Badhams "The Jack Bull" (1999) doch nicht von John Goodman, sondern von L.Q. Jones gespielt; ja der Goodman-Charakter ist geradezu verständnisvoll für Cusack.
Ein weiterer Nachteil der Neuausgabe ist das Fehlen der Bilder, die den Text aufgelockert und einen Eindruck von einigen der besprochenen Filme gegeben haben. Ich würde deshalb wieder 4,5 Sterne vergeben, aber da ich beim letzten Mal aufgerundet habe, runde ich dieses Mal ab.