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Faulstichs erklärtes Ziel ist es, den Fehler anderer Filmgeschichten zu vermeiden und kein überbordend umfangreiches Werk vorzulegen. Was ihm hier gelingt, ist eine sinnvolle Beschränkung auf relevante Filme, Personen und Genres. Chronologisch strukturiert, entwickelt er auf diese Weise einen überzeugenden Kanon, der mit der Frühgeschichte des Films Ende des 19. Jahrhunderts beginnt und bis in die "Digitalisierung und Globalisierung" des Gegenwartsfilms reicht. Deutsche Filme bilden den Schwerpunkt, dazu die US-amerikanischen, europäischen und japanischen Produktionen, die hierzulande größere Wirkung hatten. Dabei wird herausragenden Phasen der Filmgeschichte mehr Raum gegeben. So werden in "Vom Stummfilm zum Tonfilm" neben den USA und Charlie Chaplin auch der russische Revolutionsfilm (Eisenstein), der deutsche expressionistische Film (Murnau, Lang) oder der poetische Realismus in Frankreich gewürdigt.
Der Band ist als Lehrbuch zum Selbststudium konzipiert. Der Text ist gut strukturiert, sprachlich auf hohem Niveau, dabei aber immer verständlich geschrieben. Auf ganzseitige Fotos wurde verzichtet, dafür finden sich klug gesetzte Szenenbilder und Filmplakate überall dort, wo eine Illustration wünschenswert ist. Am Ende jedes Kapitels gibt es Zusammenfassungen, Kontrollfragen und weiterführende Arbeitsaufgaben. Ein Antwortteil am Ende des Buches bietet dazu die Musterlösungen. Für die Prüfungsvorbereitung finden sich hier also alle wichtigen Features, doch eignet sich das Werk ebenso zum Nachschlagen.--Henrik Flor
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Jawohl, wir haben das Buch im Seminar komplett durchgearbeitet, zu jeder der acht Phasen viele, viele Filmausschnitte geschaut und dank der überzeugenden Auswahl paradigmatischer Werke tatsächlich einen Überblick über das Wesentliche aus gut 100 Jahren Filmgeschichte aus deutscher Perspektive erhalten - die jeweilige Auswahl der Filme erhebt nämlich beileibe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr finden die in der deutschen Rezeption ästhetisch und kommerziell bedeutsam gewordenen Filme Beachtung und werden auch in übergeordnete Zusammenhänge von Zeitgeist, politischer und wirtschaftlicher Entwicklung, Technikgeschichte etc. eingeordnet.
Maßstäbe setzt Faulstich hier nicht nur durch die unverklemmte Integration filmgeschichtlich bedeutsamer erotischer und pornographischer Werke in seine Filmgeschichte, was in anderen Filmgeschichten meist unterbleibt, welche somit die bundesdeutschen Rezeptionsgewohnheiten doch arg verzerren oder - normativ gefasst - beschönigen. Warum machen andere das so? Faulstich nennt die beschämenden Ausflüchte knallhart beim Namen, indem er die schlichtweg fehlende Kenntnis des Primärmaterials oder auch Prüderie, Verklemmtheit, falsche Scham, Doppelmoral und Tabuisierung als den Blick verstellende Faktoren identifiziert.
Außergewöhnlich ist auch der ungezwungene Umgang mit den Konventionen deutscher Rechtschreibung („Filmkultur unterm Haakenkreuz") sowie die zuweilen schwindelerregende Vielfalt an Schreibweisen von Eigennamen („Jack Nicholson" S. 276, „Jack Nicholsen" S. 277, „Jack Nickolson" S. 280), die aber nie ganz darüber hinwegtäuschen kann, dass es sich dabei um ein und dieselbe Person handeln müsste. Auch stört es nicht wirklich, wenn die achte Phase der Filmgeschichte mal von „1990-heute" geht und sich an anderer Stelle unmaßgeblich erweitert hat von „1900-heute".
Zum Nachhaltigkeitsfaktor: Dank des Auswendiglernens der 228 Klausurfragen und -antworten im Anhang kann man sich nach der Lektüre gut an das Gelesene erinnern. Als vorbildlich und unerlässlich zum schnellen Auffinden des trotz allem Vergessenen dürften die umfangreichen Film-, Personen- und Sachregister gelten.
Faulstichs Romandebüt überzeugt nachhaltig auf ganzer Linie, da der hohe Anspruch des Autors, 100 Jahre internationale Filmgeschichte aus deutscher Perspektive zu vermitteln, vollauf eingelöst wird und das Buch dabei stets angenehm lesbar und spannend bleibt und vor allem dazu animiert hat, viele der besprochenen Filme in voller Länge zusammen mit lieben Freunden bzw. Kommilitoninnen zu genießen oder - filmbedingt - eben auch nicht.
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