Seit seinem letzten Aufbäumen zu Beginn der 90er Jahre ist der Western mausetot, und auch Kevin Costners neuer Versuch OPEN RANGE (2003) wird daran nichts ändern. Zeit also, mal wieder einen Überblick über die Geschichte, die Glanzpunkte, aber auch die problematischen Hauptwerke des Westernfilms zu geben. Mit diesem Band wird eine neue Reihe innerhalb der bekannten gelben Reclam-Bücher eröffnet.
Das Konzept: ca. 70 Filme werden von mehr als 40 AutorInnen auf je 4-6 Seiten besprochen. Selten gezeigte Stummfilme sind ebenso dabei wie die Klassiker von Ford, Mann, Hawks oder Boetticher, sogar brillante Außenseiterwestern wie "Auf der Kugel stand kein Name". Natürlich fehlen neben zahllosen B-Western und unbedeutenden Genrebeiträgen auch viele bekannte Filme, aber die Auswahl ist insgesamt doch sehr geglückt.
Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um Originalbeiträge. Der Wert eines Buches steht und fällt mit der Kompetenz der Autoren, und so schwankt nicht allein die sprachliche Qualität von Text zu Text, sondern auch der Ansatz.
Manchmal wird der Film nacherzählt, dann wieder eine Idee herausgegriffen; Detailbeobachtungen wechseln mit symbolverliebten Interpretationen. Bisweilen ärgert man sich über die kurzsichtige Pseudopsychologie, dann wieder gilt es zu lernen, und nur selten wird die bekannte Westernfilm-Literatur geplündert. Und immer wieder kommt die große Begeisterung für den Gegenstand zum Vorschein.
Der Verzicht auf üppige Bebilderung ist lobenswert, zumal der Preis auf diese Weise äußerst günstig kalkuliert werden konnte und viele andere Westernbücher vor lauter Fotos nur so strotzen. Dies ist wirklich ein Lesebuch für Western-Fans, die weder unterfordert noch auch durch komplizierte Begrifflichkeit abgeschreckt werden möchten.
Leider schleichen sich in den jeweils vorangestellten Besetzungsangaben vor allem bei den Komponisten immer wieder Fehler und Ungenauigkeiten ein, weil z.B. der Musikalische Direktor aufgelistet wird, nicht aber die tatsächlichen Komponisten des Films.
Auch eine kommentierte Bibliographie wäre sehr nützlich gewesen.
Alles in allem aber: ein sehr gelungener Auftakt für die Genrefilmserie. Nun wünschte man sich nur noch die Rückkehr der Westernklassiker in die Kinos.