Der Titel "Filme der 20er" ist ein wenig irreführend, weil hier begonnen wird mit dem ersten kommerziell vorgeführten Film von 1895. Die Filme vor 1920 nehmen knapp ein Fünftel des Buches ein. Das ist sehr schade, da dieser Abschnitt einen eigenen Band verdient hätte, aber vielleicht verständlich, da die Käuferschicht mit Interesse für das frühe Kino nicht so groß ist (wogegen allerdings zwei verkaufte Auflagen sprechen).
Die Fotos zu den größtenteils Stummfilmen sehen meist brillanter und besser aus als die besten Filmkopien aus dieser Zeit.
Der Band hat mich angeregt, die Werke des Kinopioniers Erich von Stroheim zu sichten und hat sich schon deshalb gelohnt. Von Stroheim ist mit den Filmen "Närrische Weiber" und "Gier" vertreten.
Durch den relativ großen Zeitraum, den der Band abdeckt und der im Vergleich zu den anderen Bänden geringen Anzahl an Filmen, sind leider wenige Überraschungststitel zu finden, die man (je nach Wissensstand) noch gar nicht kannte. Da es aber kaum Bildbände gibt, die sich mit dieser Zeit beschäftigen ist dies zu verschmerzen.
Hier eine Bewertung der kompletten "Filme der..."-Reihe, die auch auf diesen Band zutrifft.
Das Konzept finde ich schlichtweg genial in seiner Mischung aus reichhaltig bebildert und nicht zu langen aber ausführlichen Texten zu je einem Film. Jeder Band beginnt mit einer umfangreicheren Einführung, die die Strömungen und Einflüsse des in dem Band abgehandelten Filmjahrzehnts beleuchtet.
Im Schnitt stehen jedem Film vier bis sechs Seiten zur Verfügung. Über die Filmauswahl lässt sich streiten und natürlich fehlt immer irgendein Film, der unbedingt hätte erwähnt werden müssen, dass lässt sich bei einer beschränkten Auswahl nicht vermeiden. Aber als das ganz große Plus dieser Reihe empfinde ich, dass auch Werke Eingang finden, die kaum bekannt und unbequem sind und reichhaltiges Fachwissen offenbaren.
Die Texte zu den einzelnen Filmen sind routiniert, fundiert und unterhaltsam geschrieben. Die Autoren wissen definitiv, wovon sie reden. Am Ende eines jeden Textes gibt es einen Infokasten, der ein bestimmtes Thema nochmals näher beleuchtet. Das kann technische Aspekte, Darsteller, Regisseure das Genre oder ähnliches betreffen.
Der qualitativ meist sehr hochwertige Bildanteil ist größer als der Textanteil und wird dem Kino als visuelles Medium gerecht.
Leider gibt es zu einigen Farbfilmen nur s/w-Abbildungen und - wenn auch sehr selten - farbige Bilder zu s/w-Filmen (z. B. bei Scorseses "Wie ein wilder Stier" von 1980). Das kann zu Verwirrung führen, da unverständlicher Weise in einigen Bänden durchgehend nicht vermerkt ist, ob es sich um s/w- oder Farbfilme handelt.
Die Bände zu den 70er, 80er und 90er Jahren sind die umfangreichsten mit ca. 120 Filmen und ungefähr 800 Seiten.
Die Bände der 30er, 40er, 50er und 60er Jahre sind deutlich schmächtiger mit unter 100 Filmen und um die 600 Seiten.
Der Band "Filme der 20er" umfasst den größten Zeitraum (1895 bis 1930) und ist gleichzeitg der schmalste mit 80 besprochenen Filmen und immerhin noch 480 Seiten.
Das Layout ist klassisch-modern ohne unnötige Spielereien. Dass die Texte negativ weiß auf schwarzer Fläche stehen, sieht schick aus, hat aber den Nachteil, dass man Fingerabdrücke auf dem Schwarz beim Blättern hinterlässt.
Kritikpunkt ist auf jeden Fall die mangelhafte Bindung, deshalb nur vier Sterne. Selbst bei umsichtigem Gebrauch kann es passieren, dass der Band "aus dem Leim geht" und in der Mitte aufbricht. Die Seiten kommen einem nicht einzeln entgegen, da es sich um Fadenheftung handelt, aber die Bücher sind nichts für Leute, die die Angewohnheit haben, diese flach auseinandergeklappt vor sich hin zu legen.
FAZIT: Durch die lockere, sinnliche Aufbereitung dieser umfangreichen Wälzer macht es Spaß die Bände dieser einzigarten Reihe einfach mal aus dem Regal zu nehmen und darin ziellos zu schmökern und "...der fehlt mir noch in der Sammlung..." und "...den müsste ich auch mal wieder ansehen..." zu murmeln. Eine Übersicht der Oscargewinner und ein ausführliches Register runden den sehr guten Gesamteindruck ab. Perfekt wären sie mit festem Einband und besserer Bindung, aber auch in der vorliegenden Form sind sie jedem Enthusiasten in Sachen Film wärmstens ans Herz zu legen.