Einen Film angucken kann jeder -- das schon. Aber das Medium Film hat seine eigenen Gesetze, die auf den Gegebenheiten des Filmens ebenso beruhen wie auf den Bedingungen, unter denen man einen Film sieht. Die Kunst des Filmemachens besteht nicht zuletzt darin, sich diese Gesetzmäßigkeiten zu Nutze zu machen -- und wer darüber ein wenig Bescheid weiß, hat mehr vom Film, denn er sieht mehr als andere: Man sieht nur, was man weiß.
In dieser Hinsicht ist Monacos "Film verstehen" unschlagbar. Besonders das Kapitel "Filmsprache: Zeichen und Syntax" macht den Leser auf nachvollziehbare Weise mit den Besonderheiten der Film"sprache" bekannt, indem er zunächst auf den Begriff "Zeichen" eingeht und anschließend die Merkmale von filmspezifischen Zeichen um Vergleich zu anderen Künsten darlegt. Hernach sieht man Filme mit anderen Augen, soviel steht fest.
Aber der Reihe nach: James Monaco legt in "Film verstehen" alles Wissenswerte rund um den Film dar: Zunächst erklärt er "Film als Kunst", wieso der Film eine Kunstform ist, und liefert anschließend eine lesenswerte Gegenüberstellung von Film und anderen Kunstformen. Man erfährt, welche Berührungspunkte und Unterschiede es z.B. zwischen Film und Bildender Kunst, Literatur, Theater, Musik usw. gibt. Im nächsten Kapitel geht es um die Filmtechnik, also um das Handwerkszeug, wenn man so will. Die Erklärungen sind anschaulich, und man erfährt einiges darüber, wie das gewählte "Material" einen Film beeinflussen kann. In "Filmsprache" geht es, wie gesagt, ans Eingemachte, also darum, wie ein Film "funktioniert", und wieso er genau so funktioniert und nicht anders. Es folgen ein knapper, kenntnisreich geschriebener Überblick über die Geschichte des Films, der sich pointiert mit den wichtigsten Entwicklungen auseinandersetzt, und eine Einführung in die Filmtheorie, in der markante Richtungen vorgestellt werden. Abschließend geht es um den Film im Kontext der Kommunikation und um Multimedia.
Monacos Einführung bietet jedem etwas, der sich für einen der genannten Aspekte interessiert. Jedes der genannten Kapitel bietet einen guten Überblick über das jeweilige Thema; man kann es als Zusammenfassung von bereits anderweitig Bekanntem nutzen, oder aber auch als ausführliche Einführung ins Thema. Freilich ist kein Thema erschöpfend behandelt, aber das ist auch nicht der Sinn dieser Monographie. Wer mehr wissen will, dem steht eine bemerkenswert ausführliche, thematisch geordnete kommentierte Bibliographie ("Lektüre zum Film") zur Verfügung.
Und auch vor unbekannten Fachbegriffen oder gar Fachchinesisch braucht man sich nicht zu fürchten: Das Glossar ("Fachbegriffe") hilft mit i.d.R. gut verständlichen Erklärungen weiter.
Personen- und Sachregistersind selbstverständlich auch enthalten.
Allerdings hat diese durchweg empfehlenswerte Monographie doch auch einige kleinere Schwächen -- so habe ich den Eindruck, dass Monaco mitunter allzu sehr "ex cathedra" spricht, z.B. wenn er generell verneint, dass man mithilfe von Kameraführung und -perspektive etwas der Ich-Erzählung vergleichbares simulieren könne. Darüber und über einige andere allzu rigorose Feststellungen kann man anderer Meinung sein. Aber schließlich wendet Monaco sich an denkende Leser, sodass dieses Manko so schwer nicht wiegen dürfte. Wichtiger ist ja, dass er die Grundlagen der Filmkunst verständlich mitteilt.
Monacos "Film verstehen" ist nicht immer das, was man als "leicht zu lesen" bezeichnet. Je nach Thema und vorwissen des Lesers kann die Lektüre durchaus gesteigerte Konzentration erfordern. Aber es lohnt sich!