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Fiktionen: Erzählungen 1939 - 1944
 
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Fiktionen: Erzählungen 1939 - 1944 [Broschiert]

Jorge Luis Borges
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Fiktionen
OT Ficciones OA 1944 DE 1959Form Erzählungen Epoche Moderne
Mit dem Sammelband beginnt die Schaffensphase, durch die Jorge Luis Borges als Wortmagier schon zu Lebzeiten eine Legende wurde.
Entstehung: Die 17 Texte des Bandes entstanden nicht alle gleichzeitig. 1941 erschienen sieben von ihnen unter dem Titel der gleichnamigen Erzählung Der Garten der Pfade, die sich verzweigen; 1944 erweiterte Borges die Kompilation unter neuem Namen auf 14 Texte, 1956 fügte er drei weitere hinzu, darunter Der Süden.
Inhalt: Die Erzählungen geben vor, Sachtexte zu sein, fantastische Gedankenspiele, die eine irreale Grundannahme mit äußerster Präzision verfolgen. Die Fiktionen sind künstliche Realitäten ohne epische Ausgestaltung, ohne breite Schilderung, karg und exakt formuliert. Borges erfindet, wie in Tlön, Uqbar, Orbis Tertius, ganze Welten und gibt ihnen den Anstrich des Tatsächlichen, indem er sein »Wissen« als Lexikonartikel oder Bibliografie verkleidet. Er ersinnt Autoren mitsamt fiktiven Büchern wie in Untersuchung des Werks von Herbert Quain und Pierre Menard, den Autor des »Quijote«. Das labyrinthische Denkmodell, in dem Erzählen und Zeit identisch scheinen, prägt u. a. die verschachtelte Geschichte Der Garten der Pfade, die sich verzweigen. Was wäre, wenn die Zeit nicht linear, sondern vielfach verflochten wäre, wenn man sie subjektiv anhalten könnte? Das geheime Wunder berichtet von einem Schriftsteller, dem in der Sekunde seiner Hinrichtung von Gott das Jahr geschenkt wird, das er für die Vollendung eines Dramas erbeten hat. Geradezu besessen ist Borges von George Berkeleys (1685–1753) These, das Sein basiere ganz auf dem Bewusstsein (eines anderen). Daraus erklärt sich die Pointe von Die kreisförmigen Ruinen, deren Protagonist einen Menschen erträumen will, aber selbst Traum eines mächtigeren Subjekts ist. Hinzu kommen spannende Spekulationen zwischen Mythologie, Philosophie und Religion. Borges schafft Metaliteratur, nennt Kollegen und sich selbst explizit; die Erzählerinstanz, wie sie die Philologie systematisch entwickelte, wird spielerisch in Frage gestellt.
Wirkung: Viele Autoren seit den 1980er Jahren beziehen sich respektvoll auf Borges wie Umberto R Eco, der ihm in Der Name der Rose als Jorge von Burgos ein parodistisches Denkmal setzt. Dass die gesamte Literatur in der endlos scheinenden, aber bezifferbaren Menge möglicher Buchstabenkombinationen enthalten ist, veranschaulicht in den Fiktionen die als Schlagwort berühmt gewordene Bibliothek von Babel. Parabelartig kann sie als Bild für das Universum gelesen werden. Dieses universelle Archiv wurde zur Denkfigur des Neostrukturalismus und der Postmoderne, die das Entstehen von Literatur aus Literatur und die Bedeutungslosigkeit des Autors hervorhoben. Deshalb sei es weder möglich noch nötig, Neues zu schaffen. Bis heute resultiert daraus die Akzentverlagung vom Erfinden auf das Finden, vom Komponieren auf das Arrangieren. A. H.

Kurzbeschreibung

Gleich bei seinem Erscheinen in den 40er Jahren löste Jorge Luis Borges’ erster Erzählband »Fiktionen« eine literarische Revolution aus. Erfundene Biographien, fiktive Bücher, irreale Zeitläufe und künstliche Realitäten verflocht Borges zu einem geheimnisvollen Labyrinth, das den Leser mit seinen Rätseln stets auf neue herausfordert. Zugleich begründete er mit seinen berühmten Erzählungen wie»›Die Bibliothek zu Babel«, «Die kreisförmigen Ruinen« oder»›Der Süden« den modernen »Magischen Realismus«.

»Obwohl sie sich im Stil derart unterscheiden, zeigen zwei Autoren uns ein Bild des nächsten Jahrtausends: Joyce und Borges.« Umberto Eco

Autorenporträt

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Borges, Jorge Luis argentin. Schriftsteller *24.8.1899 Buenos Aires, †14.6.1986 Genf, Schweiz Fiktionen, 1944 Mit Gedichten, Essays und kurzen Erzähltexten, die philosophische Grundprobleme mit den Mitteln des Fantastischen reflektieren, wurde Borges ab den 1940er Jahren zu einem der bedeutendsten Autoren Lateinamerikas. Als junger Mann hatte er mit seiner begüterten Familie in der Schweiz und in Spanien gelebt, ab 1921 in Argentinien zunächst versucht, den metaphernreichen Stil des Ultraismus Spaniens zu importieren und die einheimische Gaucho-Kultur literarisch zu stilisieren. Poetisch und menschlich fruchtbare Freundschaften schloss er mit Adolfo R Bioy Casares und den Schwestern Ocampo. Seine universelle Belesenheit wurde zum Fundament für weit reichende literaturtheoretische Überlegungen, die ihn zum Hauptvorläufer der Postmoderne machten. Borges gab Anthologien über Fabelwesen und Traumliteratur sowie wie Die Bibliothek von Babel heraus. Sein Schreiben kreist um ein eng umrissenes Inventar unergründlicher Denkfiguren und Metaphern: Schatten und Spiegel, Dolch und Münze, Bibliothek und Labyrinth. Vom Diktator Juan Perón (1895-1974) unterdrückt, blieb Borges ein Geheimtipp, bis ihm 1955 die Leitung der Nationalbibliothek übertragen wurde, ironischerweise zu einer Zeit, als er rapide zu erblinden begann. Mit internationalen Ehren überhäuft, verließ er Argentinien mit seiner jungen Mitarbeiterin Maria Kodama, die er zwei Monate vor seinem Tod heiratete. Biografien: H. Schlaffer, Borges, 1993; J. Woodall, Borges. Der Mann im Spiegel seiner Bücher, 1996.
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