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Fiktionen: Erzählungen 1939 - 1944
 
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Fiktionen: Erzählungen 1939 - 1944 (Broschiert)

von Jorge Luis Borges (Autor)
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Produktinformation

  • Broschiert: 192 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 10 (1. Mai 1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596105811
  • ISBN-13: 978-3596105816
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Fiktionen
OT Ficciones OA 1944 DE 1959Form Erzählungen Epoche Moderne
Mit dem Sammelband beginnt die Schaffensphase, durch die Jorge Luis Borges als Wortmagier schon zu Lebzeiten eine Legende wurde.
Entstehung: Die 17 Texte des Bandes entstanden nicht alle gleichzeitig. 1941 erschienen sieben von ihnen unter dem Titel der gleichnamigen Erzählung Der Garten der Pfade, die sich verzweigen; 1944 erweiterte Borges die Kompilation unter neuem Namen auf 14 Texte, 1956 fügte er drei weitere hinzu, darunter Der Süden.
Inhalt: Die Erzählungen geben vor, Sachtexte zu sein, fantastische Gedankenspiele, die eine irreale Grundannahme mit äußerster Präzision verfolgen. Die Fiktionen sind künstliche Realitäten ohne epische Ausgestaltung, ohne breite Schilderung, karg und exakt formuliert. Borges erfindet, wie in Tlön, Uqbar, Orbis Tertius, ganze Welten und gibt ihnen den Anstrich des Tatsächlichen, indem er sein »Wissen« als Lexikonartikel oder Bibliografie verkleidet. Er ersinnt Autoren mitsamt fiktiven Büchern wie in Untersuchung des Werks von Herbert Quain und Pierre Menard, den Autor des »Quijote«. Das labyrinthische Denkmodell, in dem Erzählen und Zeit identisch scheinen, prägt u. a. die verschachtelte Geschichte Der Garten der Pfade, die sich verzweigen. Was wäre, wenn die Zeit nicht linear, sondern vielfach verflochten wäre, wenn man sie subjektiv anhalten könnte? Das geheime Wunder berichtet von einem Schriftsteller, dem in der Sekunde seiner Hinrichtung von Gott das Jahr geschenkt wird, das er für die Vollendung eines Dramas erbeten hat. Geradezu besessen ist Borges von George Berkeleys (1685–1753) These, das Sein basiere ganz auf dem Bewusstsein (eines anderen). Daraus erklärt sich die Pointe von Die kreisförmigen Ruinen, deren Protagonist einen Menschen erträumen will, aber selbst Traum eines mächtigeren Subjekts ist. Hinzu kommen spannende Spekulationen zwischen Mythologie, Philosophie und Religion. Borges schafft Metaliteratur, nennt Kollegen und sich selbst explizit; die Erzählerinstanz, wie sie die Philologie systematisch entwickelte, wird spielerisch in Frage gestellt.
Wirkung: Viele Autoren seit den 1980er Jahren beziehen sich respektvoll auf Borges wie Umberto R Eco, der ihm in Der Name der Rose als Jorge von Burgos ein parodistisches Denkmal setzt. Dass die gesamte Literatur in der endlos scheinenden, aber bezifferbaren Menge möglicher Buchstabenkombinationen enthalten ist, veranschaulicht in den Fiktionen die als Schlagwort berühmt gewordene Bibliothek von Babel. Parabelartig kann sie als Bild für das Universum gelesen werden. Dieses universelle Archiv wurde zur Denkfigur des Neostrukturalismus und der Postmoderne, die das Entstehen von Literatur aus Literatur und die Bedeutungslosigkeit des Autors hervorhoben. Deshalb sei es weder möglich noch nötig, Neues zu schaffen. Bis heute resultiert daraus die Akzentverlagung vom Erfinden auf das Finden, vom Komponieren auf das Arrangieren. A. H.


Kurzbeschreibung

Die Erzählungen geben vor, Sachtexte zu sein, fantastische Gedankenspiele, die eine irreale Grundannahme mit äusserster Präzision verfolgen. Die Fiktionen sind künstliche Realitäten ohne epische Ausgestaltung, ohne breite Schilderung, karg und exakt formuliert. Borges erfindet, wie in Tlön, Uqbar, Orbis Tertius, ganze Welten und gibt ihnen den Anstrich des Tatsächlichen, indem er sein >>Wissen<< als Lexikonartikel oder Bibliografie verkleidet. Er ersinnt Autoren mitsamt fiktiven Büchern wie in Untersuchung des Werks von Herbert Quain und Pierre Menard, den Autor des >>Quijote<<. Das labyrinthische Denkmodell, in dem Erzählen und Zeit identisch scheinen, prägt u. a. die verschachtelte Geschichte Der Garten der Pfade, die sich verzweigen. Was wäre, wenn die Zeit nicht linear, sondern vielfach verflochten wäre, wenn man sie subjektiv anhalten könnte? Das geheime Wunder berichtet von einem Schriftsteller, dem in der Sekunde seiner Hinrichtung von Gott das Jahr geschenkt wird, das er für die Vollendung eines Dramas erbeten hat. Geradezu besessen ist Borges von George Berkeleys (1685-1753) These, das Sein basiere ganz auf dem Bewusstsein (eines anderen). Daraus erklärt sich die Pointe von Die kreisförmigen Ruinen, deren Protagonist einen Menschen erträumen will, aber selbst Traum eines mächtigeren Subjekts ist. Hinzu kommen spannende Spekulationen zwischen Mythologie, Philosophie und Religion. Borges schafft Metaliteratur, nennt Kollegen und sich selbst explizit; die Erzählerinstanz, wie sie die Philologie systematisch entwickelte, wird spielerisch in Frage gestellt.

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57 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Phantastische Literatur zum Staunen, 15. September 2007
Von ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
"Ein mühseliger und strapazierender Unsinn ist es, dicke Bücher zu verfassen, auf fünfhundert Seiten einen Gedanken auszuwalzen, dessen vollkommen ausreichende mündliche Darlegung fünf Minuten beansprucht." (Einleitung zu: Fiktionen" S. 13) Daraus folgt: "Aus größerer Gewitztheit, größerer Unbegabtheit, größerer Faulheit habe ich das Schreiben von Anmerkungen zu imaginären Büchern vorgezogen." (ebenda)
Borges Fiktionen sollen den Leser zum Denken anregen, es sind kleine intellektuelle Abenteuer, Verblüffungen, Perspektivenwechsel, wobei es dem Autor stets gelingt, in all seinen Geschichten eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, bei der man fast vergessen könnte, dass sie nur dazu dienen, einen Gedanken zu transportieren. "Es war einer jener öden Spätnachmittage," heißt es in "Der Tod und der Kompass" (Fiktionen S. 125), "die dem Morgengrauen gleichen. Die Luft über der dunstigen Eben war feucht und kalt. Lönnrot begann über die Felder zu wandern. Er sah Hunde, sah einen Viehwaggon auf einem toten Gleis, sah den Horizont, sah ein silbergraues Pferd, das Brackwasser aus einer Pfütze soff." In Wahrheit geht es in der Geschichte natürlich nicht um Stimmungsbilder nordargentinischer Landschaften sondern um den symbolischen Kampf eines Kommissars und eines Mörders, wobei es dem Mörder gelingt, den Kommissar durch eine Serie genau durchkomponierter Morde in eine Falle zu locken, die zum Tod des Kommissars führt, nicht ohne dass sich Kommissar und Mörder vorher noch über die Qualität dieser Fährtenlegerei austauschen. Fast noch typischer für die Borges sche Intention ist die Geschichte "Die kreisförmigen Ruinen", in der ein Mensch versucht, einen anderen Menschen durch Träumen zu erschaffen, bis er am Ende selbst entdeckt, das er nur die Kreatur eines anderen Träumenden ist. Am berühmtesten wurde "Tlön Uqbar Orbis Tertius", in dem ein Leser in einem Universallexikon einen Artikel über das unbekannte Land Uqbar entdeckt und feststellt, dass es diesen Lexikonband nur ein einziges Mal auf der Welt gibt. Weitere Forschungen ergeben, dass in diesem vergessenen Land Uqbar die Tlön-Kultur herrschte, ein System, das nicht die Wahrheit sondern nur das Staunen suchte und in dem die Gesetzte unserer Welt aufgehoben sind.
Nicht alle Geschichten überzeugen bei der ersten Lektüre, was aber durchaus daran liegen kann, dass der Autor so unendlich viel intelligenter als seine Leser ist, oder auch nur, dass man als Leser die Geschichten einfach immer wieder aufs Neue lesen muss, um ihren Verweisungen und Fährten auf die Spur zu kommen. Im editorischen Nachspann zu den "Fiktionen" heißt es dazu vielsagend, die ästhetische Erfahrung sei "die Verheißung einer unmittelbar bevorstehenden Offenbarung, zu der es aber nicht kommt". Ihre Stunde soll nach Borges der Abend sein, wahrscheinlich die späte magische Stunde des Tages, wenn die Sonne verlischt. "Es gibt am Abend eine Stunde, in der die Ebene kurz davor ist, etwas zu sagen, sie sagt es nie, oder vielleicht sagt sie es unaufhörlich, und wir verstehen es nicht, oder wir verstehen ist, doch es ist unübersetzbar wie Musik."( Das Ende, in Fiktionen S.149).
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lesen!, 23. November 2003
Mit den Ficciones legt Borges eine Sammlung von Erzählungen vor, die, in technischer Perfektion ausgeführt, die brillanten Themen des Autors mit der ihm eigenen Symbolik untermauern. Warum selbst einen Roman schreiben, ihn mit hundert „unnützen" Seiten aufblähen, wenn man doch nur die gute Idee wiedergeben braucht? Borges schreibt nicht nur Zusammenfassungen von Romanen, die nie geschrieben wurden, sondern erfindet auch ihre Autoren, deren Gesamtwerk und Biographie. Er stellt sich Menschen mit absurd-interessanten Vorhaben oder phantastischem Wahrnehmungsvermögen vor, verwandelt den Kosmos in eine Bibliothek (oder umgekehrt), bearbeitet den argentinischen Nationalepos (,spielt überhaupt auf eine Unzahl von Autoren, Philosophen und historischen Personen an) oder schreibt eine Kriminalgeschichte. Gerade die ist beispielhaft für seine Arbeit: Oberflächlich betrachtet scheint vieles zufällig, doch bei ihm ist nichts ohne Grund platziert; alles folgt komplexen Systemen und Zeichensprachen. Den Argentinier mit diesem Buch kennen lernen und dann mehr lesen! Die Fischer Taschenbuchausgabe in 20 Bänden ist ausreichend kommentiert und gut aufgemacht.
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20 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Pyramidonal, 30. Juli 2000
Wie gut dieses Buch ist, kann man nicht beschreiben. Man muß anfangen, es zu lesen. Wer sich dann nicht versucht fühlt, dem Rätsel, von "Tlön", nachzugehen, dem ist nicht zu helfen- der würde vermutlich auch nicht einer verschleierten Schönheit folgen, die versucht, ihn in den Gassen von Kairo mit sich zu locken. Die "Fiktionen" sind ein Mysterium, mit ungeheurer Virtuosität und Vorstellungskraft geschrieben- wie jeder Mythos lassen sie sich am besten genießen, wenn man sich von der Phantaise des Verfassers gefangen nehmen läßt. Der erfahrene Leser entdeckt jedoch etliche sehr passende Anspielungen auf literarische Werke aller Epochen. Die einzelnen Erzählungen sind auf wundersame Weise miteinander verwoben, man erkennt allmählich, welche Melodie das Gefühlsleben des Autors gefangennahm und in welcher Gedankenwelt er sich bewegte. Z.B. entspricht die Suche nach dem "Katalog der Kataloge" der "Bibliothek von Babylon" der Suche nach Al Mutasim. Es ist ein recht eingegrenztes Feld existentieller Probleme, über das Borges mit einer kaum jemals erreichten Tiefe schreibt. Das einzige, was man tun kann, um dem Buch gerecht zu werden, ist nicht, es zu beschreiben, sondern mit dem Wort von Tick, Trick und Track zu sagen: Dieses Buch ist einfach pyramidonal.
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5.0 von 5 Sternen Sehr empfehlenswert!
Ich habe das Buch von einem Bekannten geschenkt bekommen. Ohne Vorwissen was mich erwarten würde habe ich mich auf die Lektüre eingelassen und bin begeistert. Lesen Sie weiter...
Vor 19 Monaten von David S. veröffentlicht

5.0 von 5 Sternen Über Risiken und Nebenwirkungen ...
In Worten lässt sich nicht beschreiben, was Borges für die Literatur, vor allem aber für das Medium der Kurzgeschichte getan hat. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 4. Februar 2003 von melkin

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