Doro Pesch - bis heute mit dem Zusatz "Metal Queen" gesegnet/verflucht - hatte mehr musikalische Gesichter, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Als Frontfrau der Band Warlock ersang sie sich von 1982 bis 1988 ihren "Adelstitel" Metal Queen. Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger versuchte sie ein breiteres Publikum zu erreichen: Der Metal wich sich zum radiotauglichen Rock und auch mehr Balladen hielten Einzug in die Alben. Mitte bis Ende der Neunziger liebäugelte die blonde Schönheit dann mit Industrial und Gothic.
Mit den Alben "Calling the wild" (2000) und "Fight" (2002) trägt sie meiner Meinung das musikalische Gewand, das ihr am besten steht: Dass der in Würde gereiften Rock Lady. In der Quersumme knackiger Hard Rock, mit gelegentlichen Ausflügen ins Metal und auch gleichermaßen Ausflüge ins melodischere Metier. Ihre Stimme und der Sound darf gerne mal eine Oma im Supermarkt erschrecken, aber den knallharten Metal scheint sie heute nicht mehr zu brauchen. "Calling the wild" war bereits ein starkes Statment und der Weg in die richtige Richung. "Fight" hingegen zeigt ein durchgehend starkes und abwechslungsreiches Songwriting und punktet zudem mit einer erdigen Produktion. Definitiv ein Juwel in Doro Pesch's nicht gerade schwacher Diskographie, weswegen ich die vielen negativen Rezensionen nicht wirklich nachvollziehen kann.
Fight
Das Album beginnt mit dem Titeltrack "Fight" recht brachial. Verzerrte Gitarren, wuchtige Drums eröffnen den Metalstampfer, der mit einem langgezogenen "Fight" einen ebenso pragmatischen wie pathetischen Refrain hat. Geht gut ab.
4/5 Sternen
Always live to win
Eine rockige Up-Tempo Nummer mit griffigem Riff und guter Melodieführung. Der Refain lädt geradezu zum Mitsingen und Headbangen ein. Darüber hinaus wird ein wirklich starkes Gitarrensolo geboten.
Volle 5 Sterne
Decent (feat. Pete Steele)
Ein letztes Mal liebäugelt Doro mit dem Industrial und hat sich mit Pete Steele gleich den Frontmann der Industrial Metal Band Type o Negative als Duettpartner geschafft. Doch bei aller Liebe: Dieser Song ist unterdurchschnittlich und die beiden Stimmen passen genauso gut zusammen wie Schafskäse und Nutella
Gerade noch 1 Stern
Salvaje
Glücklicherweise geht es rockig, ja, beinahe punkig weiter. Eine knackige Uptempo-Nummer, auf das Wesentliche reduziert, der auch lyrisch durch seinen Mix aus englischen Strophen und spanischem Refrain punktet.
4/5 Sterne
Undying
Doro Pesch und die Balladen sind so ein Thema. Diese varieren nämlich von "gigantisch" bis "unterirdisch kitschig". "Undying" gehört definitiv zu den besseren. Der Song beginnt sehr ruhig, fast nur getragen von einer Akustik und einer sanften, bluesigen E-Gitarre. Sehr schöner Refrain, gefühlvolles Solo und ein überraschend rockige Finale.
5/5 Sternen
Legends never die
Kiss-Schlabberzung Gene Simmons schrieb Doro diese phatetische, im MidTempo Bereich angesiedelte Hymne geradezu auf den Leib. Gerade in diesem gemäßigten Tempo kommt Doro's rauchiges Organ besonders gut zur Geltung und kann die volle Kraft entfalten
4/5 Sternen
Rock before we bleed
Nach so vielen, starken Nummern muss es auch mal eine Gurke geben. "Rock before we bleed" ist eine rockige Uptempo-Nummer wie man sie von 100 Bands schon 100 Mal gehört hat - 100x besser.
2/5 Sternen
Sister Darkness
Ein knackiger Rocksong, der vor allem durch seinen Stakkato-Riff in den hohen Tonlagen aufhorchen lässt. Schöne treibende Strophen,doch leider geht dem Song im Refrain und im Solo ein bisschen die Luft aus. Schade, der Song fing besser an, als er aufhörte.
3/5 Sternen
Wild heart
Oh ja, so mag ich meine Doro. Eine wuchtige, aber getragene, majestätische Mid-Tempo-Hymne in dem die blonde Schönheit ihre Stimme so richtig auslotet. Top.
4/5 Sternen
Fight by your side
Musikalisch ähnlich wie "Undying" aufgebaut, sprich ruhige Gitarrenstrophen, majestätischer Refrain und nach dem Solo eine rockigerer Abschluss. Leider reißt mich der Song nicht ganz vom Hocker
3/5 Sternen
Chained
"Chained" ist neben dem Opener "Fight" so ziemlich die einzige Nummer auf diesem Album, die man definitiv dem Metal Genre zuordnen kann. Knallender Riff, wuchtige Arrangement und ein toller Refrain.
Hoffnung (Hope)
Zum Abschluss gibts dann eine Powerballade. "Hoffnung" beginnt mit einer verträumten Keyboardmelodie und geht dann in eine fast epische Melodieführung über. Die Strophen sind in deutsch gehalten, der Refrain in Englisch (ähnlich ihrem bekanntesten Song "Für immer"). Man kann die Nummer natürlich als puren Kitsch sehen, aber mir geällt sie einfach. Daher
4/5 Sternen
Bonustracks
Das 2009er Rerelease des Albums erweist sich als schön aufgemachtes Digipack, mit vielen Fotos im Innern und im Booklet. Zudem wartet die CD mit einigen Bonus-Tracks auf. Der erste davon ist "Song for me", eine tolle Power-Rock-Ballade, bei der es fast schade ist, dass es "Nur" ein Bonustrack ist. Der Song ist definitiv stärker als so mancher der regulären Albumtracks. Bei dem unterirdisch kitschigen "Untouchable" weiß man degegen ganz genau, warum es der Song nicht auf das Album geschafft hat. "Tojour pour gasner" ist dann der Albumtrack "Always live to win" - nur mit französischem Refrain. Mit "Always live to win" und "Breaking the law" gibt es dann zwei Live-Aufnahmen aus der Akkustik-Tour 2004. Leider. Denn die spartanisch instrumentierten Versionen der beiden Songs (nur akkustische Gitarre!) erinnert an Kneipen- und Lagerfeuer-Gröhlerei (dank "stimmgewaltigen" Einsatz des Livepublikums). Live sicher ganz nett, aber wer braucht das auf Platte?
Fazit: Wäre da nicht die wunderbare Powerballde "Song for me" - ich hätte den Kauf der ReRelease Version bereu. Allen Nicht-Doro-Fans sei die günstig erhältlichere Normal-Album-Version zu empfehlen.