Zuallererst: Dass ich dieses Buch gekauft habe, beruht auf einem Missverständnis. Der angeblich vorhandene Internet-Hype ist völlig an mir vorbeigegangen, und als ich es in meiner Lieblingsbuchhandlung zwischen Cecelia Ahern und einer Biographie der Queen entdeckte, dachte ich etwas in der Form von "Prickelnde Sommerlektüre". Cecelia Ahern und die Queen - wer soll denn bei solcher Nachbarschaft etwas Böses ahnen?
Also lassen Sie sich von den vier Sternen neben der Überschrift nicht täuschen: Dies ist ohne den geringsten Zweifel die größte Katastrophe in Buchform, die mir je untergekommen ist. Leider weigert sich der Hausherr beharrlich, meine Ein-Sterne-Bewertung zu veröffentlichen. Weshalb ich beschlossen habe, es mal mit vier Sternen zu versuchen und dies zu begründen, indem ich die positiven Seiten des Buches suche. Positive Seiten? Ja, die gibt es. Unter Garantie. Die wenigsten Dinge sind nur schwarz oder nur weiß, sondern vielmehr Schattierungen von Grau.
Und damit wären wir schon bei einem echten Pluspunkt des Buches: Dem Titel. Ein Aufsehen erregender Titel ist ja schon mal die halbe Miete, und dieser hier hat mich von Anfang an begeistert. Damit kann man prima spielen! "Filthy Shades of Gruesome" - "Fifty Grunts of Shame" - "Five Hundred Pages of Great Rubbish" -Die Variationen sind endlos und die Phantasie freut sich. Dafür gibt es auf jeden Fall den ersten Stern.
Dann haben wir die beiden Hauptpersonen. Schön ist es ja, wenn man sich beim Lesen ganz neue, fremde Lebenswelten erschließen kann, und das ist hier definitiv der Fall. Zum einen haben wir da Ana, die Studentin, der in ihren einundzwanzig Lebensjahren noch kein Mann auch nur auf Kussentfernung nahe gekommen ist. Nein, sie ist in keiner fundamentalistischen Sekte oder dergleichen - der Richtige ist einfach noch nicht vorbeigekommen. Toll, dass es sowas heutzutage noch gibt! - Auf der anderen Seite steht Christian, der siebenundzwanzigjährigen Selfmade-Milliardär. Jawohl, Milliardär, nicht Millionär. Selfmade. Kritisch könnte man anmerken, dass nie erwähnt wird, wie er zu seiner Milliarden gekommen ist. Vielleicht mit seinem Äußeren. Denn abgesehen von seiner ganzen Kohle sieht er auch noch verdammt gut aus. Wie so ein Mann wohl lebt? Mit einem großen Herzen für die Armen dieser Welt. Und einer Folterkammer unter dem Dach, wegen seiner schweren Kindheit. Faszinierende psychologische Studie. Dafür gibt's einen zweiten Stern.
Als nächstes die Abteilung "Erzählstil". Hier wurde verschiedentlich angemerkt, der Schreibstil sei unter Schulaufsatz-Niveau. Dem kann ich nicht widersprechen. Andererseits: Ein aufmerksames Studium dieses Werkes spart den Kurs für "Kreatives Schreiben". Hier lernt man nämlich wirklich ALLES, was man tunlichst vermeiden sollte. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ja, man KANN mit dem minimalen Aufwand von nur zwei unterschiedlichen Buchstaben in jeder Situation maximale Überraschung ausdrücken: "Wow". Aber man sollte das nicht auf fünfhundert Seiten vierhundertmal wiederholen. Merke: Auch der friedliebendste Leser wird irgendwann zum Rumpelstilzchen, wenn man ihn immer wieder mit grey eyes, sardonic smiles und Varianten von holy *** konfrontiert.
Was die... äh... hmm... Momente intimen Beisammenseins angeht: Auch das habe ich aus diesem Buch gelernt - nämlich wie man vermeintlich prickelnd-romantische Szenen so beschreibt, dass sie sich wie Anweisungen zu unbequemen, unappetitlichen und vermutlich äußerst schmerzhaften Gymnastikübungen lesen. Dieser - sehr umfassende - Teil der Handlung findet seinen fesselnden Höhepunkt in der Aussage: "He's my very own Christian-Grey-flavored popsicle." In welchem Zusammenhang dieser Satz fällt überlasse ich jedermanns Fantasie - für den bei mir hervorgerufenen Lachanfall vergebe ich aber gerne den dritten Stern.
Den vierten Stern bekommt dieses Buch für seine versöhnende Wirkung. Ja, es hat mich versöhnt. Nämlich mit der Twilight-Saga. Hätte ich die Verbindung "Handlungsort Seattle - liegt im Staat Washington - dort gibt es Vampire - oh Gott, das ist Fanfiction" früher gemacht, hätte ich dieses Buch nicht gekauft. So jedoch hat es mir die vollkommen unerwartete Erkenntnis beschert: Bella Swan ist gar nicht so dusselig, wie ich immer dachte, und jeder Glitzervampir ist glaubwürdiger als ein siebenundzwanzigjähriger Selfmade-Milliardär mit sardonischem Lächeln und schwerer Kindheit. Danke, E. L. James! - Und ein Kompliment: Wenn man es schafft, mit einer Kombination aus Handlungsarmut und schlechtem Stil einen zehnmillionenfachen Bestseller herzustellen, dann hat man zwar immer noch kein Talent zum Schreiben, wohl aber eines für gutes Marketing.
Bleibt zum Abschluss zu hoffen, dass die Dame vor dem Verfassen weiterer schriftstellerischer Werke einen Grundkurs für kreatives Schreiben absolviert und sich ein Textverarbeitungsprogramm zulegt, das Wortwiederholungen mit einem akustischen Alarmzeichen hervorhebt. Geld genug hat sie ja jetzt.